Dreieinhalb Jahre Haft für 58-Jährigen

Pflegetochter missbraucht: Vergewaltiger muss ins Gefängnis

Kassel. Wegen schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung hat das Kasseler Landgericht Mittwoch einen 58-Jährigen aus dem Landkreis Kassel zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Der Mann hatte gestanden, sich im August 2012 an der Pflegetochter einer eng befreundeten Familie vergangen zu haben.

Gefährliche Körperverletzung

Während des Tatgeschehens hatte er der zunächst schlafenden 15-Jährigen mehrfach Chloroform unter die Nase gehalten. Dies wertete die Kammer als gefährliche Körperverletzung. Zugleich sah sie durch den Einsatz des Mittels den Tatbestand der schweren Vergewaltigung erfüllt. Nach Überzeugung der Kammer hatte der Angeklagte das Mädchen bewusstlos machen wollen, um sein Tun fortsetzen zu können - aber auch damit sie nichts davon bemerken sollte.

Letzteres war ihm nicht gelungen. Die 15-Jährige war zwar teilweise betäubt, versuchte aber das Einatmen des Chloroforms möglichst zu vermeiden und konnte noch wahrnehmen, was ihr angetan wurde. Das hatte sie auch - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - im Gericht geschildert. „Wir glauben ihr alles“, stellte Richter Volker Mütze heraus.

Zweifel hegte die Kammer hingegen an einer Aussage des Angeklagten, der vor der Tat rund einen halben Liter Eierlikör getrunken haben will. Selbst wenn dies in der dafür infrage kommenden kurzen Zeit möglich gewesen sein sollte, spreche nichts für eine verminderte Schuldfähigkeit, hielt Mütze fest.

Mehrfach betonte der Richter, der 58-Jährige habe sein Vertrauensverhältnis zu dem jungen Mädchen massiv missbraucht. Seit seine Freunde die Pflegetochter aufgenommen hätten, habe er ihre Erziehung begleitet. Zu den nun verurteilten Taten war es bei einem der häufigen Übernachtungsbesuche der damals 15-Jährigen im Hause des Angeklagten gekommen - als dessen Ehefrau bereits zu Bett gegangen war.

Frühes Geständnis

Zugunsten des Angeklagten wertete die Kammer, dass dieser schon früh ein vollumfängliches Geständnis zu jenem Augustabend abgelegt habe. Der Einschätzung der Nebenklagevertreterin, viel anderes sei dem Mann angesichts einer bedrückenden Beweislast auch nicht übrig geblieben, widersprach Richter Mütze. Gerade bei Sexualdelikten kenne das Gericht „auch ganz andere Angeklagte und Verteidigungsstrategien“.

Positiv angerechnet wurde dem 58-Jährigen auch, dass er sich auf die Zahlung von 7500 Euro an das Mädchen verpflichtet hat. „Gutmachen geht nicht“, betonte Mütze. Aber als Symbol sei eine solche Zahlung wichtig.

Der Verteidiger hatte am Montag eine Bewährungsstrafe für seinen bislang nicht vorbestraften Mandanten gefordert. Die Staatsanwältin hatte das nun verhängte Strafmaß gefordert.

Von Katja Schmidt

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