52-Jährige tat sich mit Aussage vor Publikum schwer

Vergewaltigung am Königsplatz: 35-jähriger Vellmarer angeklagt 

Kassel. Der Angeklagte sagt, er könne sich nicht erinnern. Er wisse, dass er zuhause eine Flasche Wein getrunken, einen Joint geraucht und sich dann in ein Casino in der Kasseler Innenstadt begeben habe.

Dort habe er gespielt und weiter getrunken, erklärt der 35-Jährige aus Vellmar dem Amtsgericht. Danach flackere nur noch eine Szene auf, in der die Polizei neben ihm stand und eine Frau sagte: „Er hat mich vergewaltigt.“ Das habe ihn sehr gewundert, damals am 13. August 2010. Danach fehle ihm wieder die Erinnerung - bis zum Wachwerden im Polizeigewahrsam.

Die 52-Jährige, die der Mann in jener Nacht zum Oralverkehr gezwungen haben soll, soll sich möglichst genau erinnern. Rund vier Stunden lang wird sie befragt. Sie ist Nebenklägerin im Prozess und die zentrale Zeugin. Als sie ihre Aussage beginnen muss, ist es rappelvoll im Saal. Knapp 20 angehende Polizistinnen und Polizisten auf Gerichtsbesuch besetzen das Gros der Stühle im Zuschauersaal.

Die 52-Jährige, die vor so viel Publikum erzählen muss, überspringt im ersten Anlauf alle Details dazu, wie der Angeklagte sie nahe dem Königsplatz in eine dunkle Ecke gedrängt oder gezogen haben soll. Sie berichtet, wie sie den Mann auf dem Platz getroffen habe. Sie habe dort in jener Nacht Sternschnuppen fotografieren wollen. Der Mann habe ihr Drogen angeboten, sie habe Angst bekommen und sei weggelaufen, sagt sie. Dann springt ihre Geschichte weiter – und bis zu der Szene, in der sie einen Mofa-Fahrer bittet, die Polizei zu rufen.

Suche nach Sternschnuppen

Die Sache mit den Sternschnuppen klingt zunächst seltsam. Bis eine polizeiliche Vernehmung verlesen wird, in der die Frau sagt, sie habe in der Zeitung von dem Phänomen gelesen. Tatsächlich waren die Medien im August 2010 voll vom Thema Sternschnuppen: Ein großes Himmelsspektakel, ein „Perseiden-Regen“ wurde angekündigt, der just in der Nacht zum 13. August größte Intensität erlangen sollte.

Die Frau erzählt nicht sehr stringent – und oft in gebrochenem Deutsch an ihrer Dolmetscherin vorbei. Doch sie zeigt, wie sie an den Haaren gezerrt und am Hals gedrückt worden sei.

Ob der Angeklagte schon auf dem Königsplatz gesagt habe, dass er mit ihr Sex haben wolle, will der Richter Leyhe wissen. So steht es im Polizei-Protokoll. Die Zeugin bestätigt das – und entschuldigt sich, dass sie sich nicht früher daran erinnert habe: Der Mann habe die „schlimmen Worte“ gesagt und sie habe Angst bekommen.

Nach knapp drei Stunden, in denen das Gericht nach Details und möglichen Widersprüchen gefragt hat, sagt sie einmal: „Ich weiß das nicht mehr, das ist jetzt alles zu viel.“ Doch Pause hat sie da noch immer nicht.

Das Urteil in dem Verfahren soll am Dienstag fallen.

Von Katja Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.