Auf der Friedrich-Ebert-Straße und vor der Kneipe "Mutter"

Fünf Jahre Haft für Vergewaltiger: Zwei Frauen wurden in Kassel seine Opfer

+
Wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt: Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 22-Jährige zwei Frauen vergewaltigt hat

Kassel. Es waren wohl Freudentränen, die die junge Frau im Kasseler Landgericht vergoss. Zuvor hatte die 10. Große Jugendkammer den Mann verurteilt, der ihr so viel Leid angetan hat.

Ein 22-Jähriger aus Nigeria wurde am Montag wegen Vergewaltigung in zwei Fällen, wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt.

Dieses Strafmaß hatte zuvor auch Oberstaatsanwältin Andrea Boesken in ihrem Plädoyer beantragt. Verteidiger Mustafa Üstün hatte zwei Jahre und drei Monate Haft für die Vergewaltigung einer 16-Jährigen gefordert.

Im Mai 2015 hatte er ein damals 16-jähriges Mädchen nachts vor der Kneipe „Mutter“ in der Kasseler Nordstadt vergewaltigt. Das Opfer hatte sich erst jetzt bei der Polizei gemeldet, nachdem es in der Zeitung über den laufenden Prozess erfahren hatte.  Diese Tat hatte sein Mandant eingeräumt. Allerdings hatte der 22-Jährige bis zum Schluss bestritten, im Juli vergangenen Jahres die 28-jährige Frau auf der Friedrich-Ebert-Straße vergewaltigt zu haben.

Ursprünglich war der Mann nur angeklagt gewesen, weil er eine 28-jährige Frau im Juli des vergangenen Jahres nach einer Partynacht auf der Friedrich-Ebert-Straße im Vorderen Westen vergewaltigt haben soll. Diese Tat hatte der Mann, der im Jahr 2014 von Nigeria nach Deutschland geflüchtet war, bestritten. 

In einer früheren Verhandlung wurde der Vorwurf geprüft, dass die Vergewaltigung auf der Friedrich-Ebert-Straße vom Exfreund der 28-Jährigen in Auftrag gegeben wurde.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Jürgen Dreyer sah es als erwiesen an, dass der junge Mann zwei Frauen in Kassel vergewaltigt hat. In der Urteilsbegründung machte er deutlich, dass das Gericht dem Opfer glaube, auch wenn es viele Ungereimtheiten in der Aussage der 28-Jährigen gegeben habe. In diesem Fall ein Urteil zu finden, sei aber nicht so schwierig gewesen, wie es auf den ersten Blick erscheine. Angeklagter und Opfer hätten vor Gericht vieles berichtet, was identisch gewesen sei.

So stehe fest, dass die beiden in der Nacht zusammen von der Kneipe "Joe's Garage" in Richtung Rathaus gegangen seien. Danach müsse der Frau etwas Gravierendes passiert sein. Sie hatte ausgesagt, dass der Mann sie an einer Laterne in Höhe des HUK-Hauses an der Friedrich-Ebert-Straße vergewaltigt hatte.

Zeugen hatten vor Gericht geschildert, dass die Frau in der Kneipe noch keine Hämatome hatte. Ein Pärchen, das das Opfer später in einem Gebüsch an der Frankfurter Straße in der Nähe dessen Wohnung fand, berichtete dann von blauen Flecken am Körper der Frau. Diese habe gesagt, dass sie zuvor vergewaltigt worden sei. Das Gericht gelangte zu der Überzeugung, dass die Frau kein Motiv gehabt habe, den Angeklagten zu Unrecht zu belasten.

Im Prinzip sei es nur einem Zufall zuzuschreiben, dass die Polizei in diesem Fall überhaupt eingeschaltet worden sei, so der Richter.

Nachdem das Pärchen die völlig aufgelöste Frau in ihre Wohnung gebracht hatte, entdeckten die jungen Leute eine Polizeistreife auf der Frankfurter Straße. Sie berichteten den Beamten von der Frau, die sie zuvor gefunden hatten. "Nur deshalb kamen die Ermittlungsbehörden ins Spiel", führte der Richter aus.

Das Opfer habe in den Wochen nach der Tat seine Wohnung und seinen Job aufgeben müssen. Zudem ging die junge Frau freiwillig in die Psychiatrie und überließ ihr kleines Kind für Monate dem Ex-Partner. Man könne sich schlichtweg nicht vorstellen, dass die Frau diesen Weg eingeschlagen hätte, nur um den Angeklagten zu Unrecht zu belasten, sagte Dreyer.

Der 22-Jährige kann gegen das Urteil Revision einlegen.

Die Vorgeschichte des 22-Jährigen:

Er sei im Jahr 2014 nach Deutschland gekommen, um Musik zu studieren, sagte der 22-jährige Angeklagte am Montag vor dem Landgericht. „Das war aber nicht alles so einfach, wie ich mir das vorgestellt habe.“ Dann gibt der Mann noch einen weiteren Grund an, warum er seine Heimat Nigeria verlassen habe: Sein bester Freund sei umgebracht worden, weil er sich mit den falschen Leuten angelegt hatte. Er habe damit zwar nichts zu tun gehabt, schilderte der 22-Jährige, aber seine Mutter habe Angst um ihn gehabt und deshalb Geld zusammengekratzt, um ihm die Flucht nach Europa zu ermöglichen.

Er sei über Frankreich nach Deutschland gekommen. Zunächst habe er in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen gelebt, bevor er in den Raum Kassel kam. Bei seiner Einreise nach Deutschland hatte der Angeklagte angegeben, drei Jahre jünger zu sein als er ist. Minderjährige Flüchtlinge können nicht ausgewiesen werden und haben den Anspruch auf Mittel aus der Jugendhilfe. Mittlerweile gehen die Behörden davon aus, dass der Mann 1994 geboren wurde. 

In Wohngruppen für Jugendliche habe er nur kurze Zeit gelebt, sagte ein Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe über den Angeklagten. Grund: Er habe sich allen Erziehungsversuchen entzogen und wollte als Mann behandelt werden. Auffällig sei gewesen, dass er ein negatives Frauenbild und Probleme mit Frauen habe. In Kassel habe er kurze Zeit die Willy-Brandt-Schule besucht, flog aber nach einer Schlägerei.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.