Im neuen Revier Ost an der Leipziger Straße wurde versäumt, einen Sichtschutz an den Fenstern anzubringen

Verhör - und jeder guckt zu

Kein Sichtschutz: Beim Revier Ost an der Leipziger Straße wurden beim Umbau die Innenjalousien vergessen. Von der Straße kann man sehr gut in die Vernehmungsräume im Erdgeschoss blicken. Foto:  Koch

Kassel. Es hört nicht auf: Im neuen Polizeirevier Ost an der Leipziger Straße 242 reiht sich Panne an Panne. Und dafür können die 90 Polizisten, die hier seit Mitte Januar arbeiten, nichts. Im Gegenteil: Sie müssen unter den Versäumnissen, für die das für den Umbau zuständige Hessische Immobilienmanagement (HI) verantwortlich ist, leiden.

Bei dem sehr lange dauernden Umbau der Immobilie wurden nicht nur ein Funkmast auf dem Dach, Garagen für die Einsatzfahrzeuge und ein Zaun vergessen, sondern auch ein Sichtschutz an den Fenstern. Das hat jetzt Folgen: Jeder Passant der Leipziger Straße kann genau beobachten, wer sich in den Vernehmungsräumen im Erdgeschoss des Reviers aufhält. Die Vernehmungen auf dem Präsentierteller sind nicht nur für Beschuldigte unangenehm, auch für Menschen, die vielleicht eine Anzeige aufgeben.

„Hier wird eine gewisse Vertraulichkeit verletzt“, sagt Volker Zeidler, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bezirksgruppe Nordhessen. „Da geht einer vorbei und sieht seinen Nachbarn im Vernehmungsraum sitzen. Hat der Nachbar etwas ausgefressen oder zeigt er jemanden an?“ Den fehlenden Sichtschutz bezeichnet Zeidler als „eine von vielen vermeidbaren Pannen“ beim Umbau des Reviers im Kasseler Osten.

Aber es geht nicht nur um die mangelhafte Diskretion, es geht auch um Sicherheit. Derzeit kann jeder die Beamten bei der Arbeit durch die Fensterfront genau beobachten. Nach Angaben von Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch ist es in Hessen aber „absoluter Standard“, dass sich ein Sichtschutz an den Fenstern von Polizeigebäuden befindet. Das entspreche auch den Sicherheitsanforderungen des Landeskriminalamts in Wiesbaden. Die Kasseler Polizei hat das Versäumnis bereits gemeldet. Laut Jungnitsch seien alle Fenster ausgemessen worden und sollen demnächst mit Innenjalousien versehen werden.

Auf die Frage, warum es im neuen Revier keine Jalousien gibt, antwortet Ate Plies, Sprecherin beim HI: „Die Räume wurden nach einer nutzerspezifischen Bedarfsbeschreibung hergerichtet. Alle Fenster auf der Südwest-Seite des Gebäudes besitzen Außenjalousien.“ Die dienen vermutlich zum Sonnenschutz. Die Fenster zur Straße liegen allerdings zur Nordost-Seite. Laut Plies werde derzeit noch geprüft, ob nachträglich Jalousien angebracht werden. In Kassel gibt es mittlerweile einige Kritiker, die Zweifel daran haben, ob das HI ausreichend Erfahrung hat, um eine Polizeidienststelle umzubauen. Diese Kritik wird von der Sprecherin zurückgewiesen: „Das HI hat in vielen Polizeidienststellen des Landes Hessen schon Umbauarbeiten nach den jeweiligen Anforderungen der Polizei ausgeführt. Durch die regelmäßige Zusammenarbeit seit vielen Jahren mit der Polizei kann das HI auf einen breiten Erfahrungshorizont zurückgreifen.“  Artikel links

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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