Galeria Kaufhof und Sinn Leffers im Blick

Verdi-Protest: 120 Verkäufer streikten

Streik: Mitarbeiter im Einzelhandel demonstrierten am Samstag in der Kasseler Innenstadt. Sie fordern eine Rückkehr zum Manteltarifvertrag und ein Euro mehr Stundenlohn. Foto: Zgoll

Kassel In den Kaufhäusern Galeria Kaufhof und Sinn Leffers fehlten am Samstag 120 Verkäuferinnen und Verkäufer hinter den Verkaufstresen und bei der Beratung der Kunden.

Sie befanden sich ebenso wie viele andere Kollegen bundesweit in einem ganztägigen Streik, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte. Sie will mit den Aktionen den „Druck in der festgefahrenen Tarifauseinandersetzung im Einzelhandel erhöhen“.

Ausgerüstet mit Transparenten, Trillerpfeifen und roten Schirmen demonstrierten die Streikenden abwechselnd vor der Galeria Kaufhof und Sinn Leffers an der Oberen Königstraße. „Von uns lebt der Handel“ stand auf den Plakaten der Streikenden. Verdi fordert, den Ende April gekündigten Manteltarifvertrag wieder in Kraft zu setzen. Die Kündigung sei eine Provokation, sagte der nordhessische Bezirksgeschäftsführer Harald Fennel: „Wir müssen unsere Tarifverträge schützen.“

Die Arbeitgeber lehnen eine Rückkehr zum Manteltarifvertrag ab und sprechen von einer „längst fälligen Modernisierung der Tarifregelungen“. Die Gewerkschaft will für den Einzelhandel „eine spürbare Lohnerhöhung“ und verlangt einen Aufschlag von einem Euro pro Stunde auf die Löhne und Gehälter. Auszubildende sollen 50 Cent mehr bekommen.

Bilder des Streiks

Verdi-Streik in der Kasseler Innenstadt

„Wir wollen ein Absenken des Niveaus der tariflichen Arbeitsbedingungen verhindern, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Manuel Sauer. Die Arbeitgeber hatten die erste Tarifverhandlung, die am 7. Mai stattfinden sollte, platzen lassen. Zwar gebe es einen neuen Termin am 10. Juni, „aber da es bundesweit in anderen Tarifbezirken noch kein verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeberseite gibt, rechnen wir auch für diese Verhandlung lediglich mit einem Schlagabtausch.“

Den nordhessischen Auftakt für die Streikfolge gab es am Donnerstag mit einem Tagesstreik beim Möbelhaus Ikea in Waldau, an dem sich über 100 Beschäftigte beteiligten. In den bestreikten Geschäften gab es am Samstag Durchsagen, die die Kunden auf eventuelle Engpässe aufgrund des Streiks hinwiesen. Doch zu größeren Behinderungen führte der Protest nicht. „Es geht uns mit unseren Aktionen nicht darum, für große Ausfälle zu sorgen“, sagte Sauer, „sondern darum die Öffentlichkeit auf die Situation der Beschäftigten im Einzelhandel hinzuweisen“. Diese arbeiteten zum Teil für Löhne unter der Armutsgrenze. Wer im Einzelhandel nach Tarif bezahlt wird, verdiene im Monat zwischen 1800 und 2300 Euro brutto. Dazu kommen Aufschläge etwa für Sonntagsarbeit. „Die Protestaktionen in Nordhessen werden weitergehen, sagte Sauer.

Kasseler in der Innenstadt äußerten Verständnis für den Streik. „Verkäuferinnen machen einen harten Job, dafür müssen sie auch entsprechend bezahlt werden“, sagte Elisabeth Fichter aus Fuldabrück.

Von Christina Hein

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