Björn Hilgenberg und Andreas Schäfer - Zwei Lächler am heißen Grill

Sie verkaufen am Kulturzelt in der Karlsaue Hunderte Würste

Senf für die Wurst, Lächeln für die Kunden: Für Björn Hilgenberg (links) und Andreas Schäfer geht die Grill-Saison am Kulturzelt in dieser Woche zu Ende. Kommendes Jahr sind sie wieder dabei. Foto: Fischer

Kassel. Sie lächeln, haben nie schlechte Laune, und bei ihnen ist der Kunde noch König: In einer Serie stellen wir Kassels besonders freundliche Verkäuferinnen und Verkäufer vor. Heute Björn Hilgenberg und Andreas Schäfer, die am Kulturzelt grillen.

Schmerzen hat Björn Hilgenberg nicht, obwohl unablässig heißes Fett auf seinen Unterarmen niedergeht. Die ersten Spritzer wirkten „wie ein Schutzfilm“, erklärt er. Und selbst wenn er Schmerz spüren würde, anmerken könnte man es Hilgenberg nicht. Denn für alle Gäste des Kasseler Kulturzelts, die bei ihm eine Bratwurst kaufen, hat er ein Lächeln und oft auch ein nettes Wort.

Wenn Björn Hilgenberg nicht am Kulturzelt-Grill steht, arbeitet er übrigens in der Produktion beim Solartechnik-Spezialisten SMA. Urlaub nimmt er sich nicht, um am Abend 500 bis 600 Würste am Kulturzelt zu grillen und zu verkaufen. „Ich arbeite nur Frühschicht, dann kann ich abends hier sein.“

Wenn er spät am Abend nach Hause kommt, steht erst einmal eine längere Dusche an. Den hartnäckigen Fettfilm auf seiner Haut bekämpft Hilgenberg übrigens mit handelsüblichem Ofenreiniger.

Seine ersten beruflichen Erfahrungen hat der 27-Jährige im Bereich Informatik gesammelt. Warum steht er dann trotzdem seit sieben Jahren beim Kulturzelt am Grill? Geld sei nicht der Grund, sagt Hilgenberg. „Weil es mir einfach Spaß macht. Man sieht hier jedes Jahr dieselben Leute. Und selbst wenn ich zur Weihnachtszeit über die Königsstraße gehe, werde ich angesprochen: Ey, du bist doch der vom Kulturzelt.“

Ein Jahr länger ist Andreas Schäfer dabei. Der 42-Jährige aus Naumburg ist der Mann hinter Hilgenberg und grillt vor, was dann später an die Kunden herausgeht.

Freundliches Naturell 

„Ich bin einfach so“, sagt Hilgenberg. Gespielt sei seine Freundlichkeit nicht. „Es braucht schon einiges, um mich auf die Palme zu bringen.“ Schäfer ergänzt: „Außerdem spricht es sich rum, wenn wir nicht freundlich wären.“

Ein Lächeln bekommen auch die wenigen nicht so netten Kunden. Ihnen merke er ein gewisses „Desinteresse“ an, sagt Hilgenberg. „Das ist etwas, was mich theoretisch zum Glühen bringen könnte.“ Locker grillt er dann weiter und bleibt freundlich. „Wenn es sein muss, dann reißen wir halt einen Witz“, sagt Schäfer, der eigentlich als Fleischer arbeitet. Die meisten Gäste duzt Hilgenberg. Warum nicht alle? Der erste Eindruck sei entscheidend, sagt der 27-Jährige. Manchmal sei das „Sie“ eben doch passender. „Außerdem sind wir hier nicht im Ritz“, ergänzt Schäfer.

Privat überlässt Hilgenberg das Grillen übrigens anderen. Immer mal wieder werde er auf privaten Feiern aufgefordert, die Zange zu übernehmen. „Aber da weigere ich mich“, sagt er.

Selbst haben Hilgenberg und Schäfer ein Konzert im Kulturzelt übrigens noch nie besucht. Die rauchige und fettige Arbeit am Grill sei nicht besonders attraktiv und Vertretungen schwer zu organisieren.

„Wir haben uns damit abgefunden, dass wir die A-Karte haben“, sagt Schäfer. „Es gibt sowieso niemanden, der schneller grillt als wir.“

Von Claas Michaelis

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