Viele verhökern ihre Geschenke: Schlangen in Kasseler An- und Verkaufsläden

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Ausmisten vor dem Umzug: Thomas und Karin Reitemeier aus Vellmar wollten im An- und Verkaufsladen „Money Point“ keine Geschenke verkaufen. Sie wollten sich nur von einigen Sachen trennen. Mitarbeiter Sebastian Grün beäugt kritisch eine Kette.

Kassel. Nach Weihnachten bilden sich lange Schlangen im An- und Verkaufsladen „Money Point“ am Friedrichsplatz. Manches, was eben noch unter dem Tannenbaum lag, wird nun dort zu Geld gemacht:

„Wir haben derzeit noch mehr zu tun als sonst“, sagt Geschäftsführer Hans Martin Böhm. Aber nicht nur ungeliebte Geschenke werden dort abgegeben. Die Zeit zwischen den Jahren wird von vielen genutzt, um sich von altem Kram zu lösen. So geht es auch Thomas und Karin Reitemeier.

Die Vellmarer haben tütenweise alte Bücher, Handys, Schmuck, einen alten DVD-Player und einen Satelliten-Receiver mitgebracht. Ein Umzug steht bevor, also wollen sie Platz schaffen. Ihnen gefällt das Geschäftsprinzip: Kunden bringen Ware, die sie nicht oder nicht mehr benötigen, und erhalten im Gegenzug Bargeld.

Anschließend werden die angekauften Waren – genommen wird prinzipiell alles außer Möbel und Bekleidung – gereinigt und im Geschäft zum Verkauf angeboten. Tablets, Smartphones, Notebooks und E-Reader seien nach Weihnachten häufig abgegeben worden, sagt Böhm. „Dass das alles Weihnachtsgeschenke waren, kann ich nur vermuten.“

Vielen sei es sicher zu peinlich, nach den Kassenzetteln der Geschenke zu fragen, die kämen lieber zu ihm. Doch bereits vor Weihnachten sei im Ankauf viel los gewesen. Offenbar hätten viele Geld gebraucht, um Geschenke kaufen zu können. Gegen Ende jeden Monats, wenn das Geld knapp werde, sei ohnehin immer etwas mehr zu tun im Ankauf. Die Reitemeiers sind nicht auf das Geld angewiesen, sie wollen nur die alten Sachen loswerden.

„Money Point“-Mitarbeiter Sebastian Grün beäugt kritisch jedes Teil, das sie aus der Tüte ziehen. Die Bücher nimmt er nicht, die ließen sich derzeit kaum verkaufen. Nachdem er deren Funktion geprüft hat, bietet er für zwei alte Handys 20 Euro, für den DVD-Player 10 Euro und für ein Hörspiel 50 Cent. Für eine leicht verbogene Modeschmuckkette gibt es zwei Euro. Feilschen sei erlaubt, die Reitemeiers verzichten darauf.

Auch auf dem Receiver bleibt das Paar sitzen. „Der ist analog, den werden Sie nur in Afrika los“, sagt Grün. Seit 2006 betreibt Böhm das Geschäft. „Inzwischen haben wir 1000 bis 1300 Kunden täglich und sieben Mitarbeiter“, sagt der Geschäftsführer, der zuvor das Kino an der Trompete (damals Ufa) geleitet hat. Oft sei er an dem leeren Schaufenster am Friedrichsplatz vorbeigekommen und aus seiner Leidenschaft für Flohmärkte sei schließlich die Geschäftsidee entstanden.

Eines der ungewöhnlichsten Dinge, die er an- und auch wieder verkauft habe, sei ein großer Beton-Buddha gewesen. In der Schlange hinter den Reitemeiers warteten gestern aber erst mal ein Ring, ein Notebook und einige Handys darauf, von ihren Eigentümern versilbert zu werden.

Von Bastian Ludwig

Ähnliche Läden im Stadtgebiet

Neben dem „Money Point“ (Friedrichsplatz 6) gibt es mehrere Läden in der Stadt mit ähnlichen Konzepten. Elektronik aus zweiter Hand bietet etwa auch „Flimmern & Rauschen“ (Rudolf-Schwander-Straße 13). Ein anderes Prinzip gilt in Läden, in denen Verkäufer Regale anmieten, auf denen sie ihre Artikel anbieten.

Dazu zählen Second Sale (Friedrich-Ebert-Straße 59) und „Das Regal“ (Kirchweg 29a und Ludwig-Erhard-Str. 13). Zudem gibt es etliche Goldankaufläden. (bal)

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