Beim Info-Abend über geplante Museen auf dem Weinberg zeigten die Gegner Flagge

Verkehr ist Achillesferse

Marcel Missler

Kassel. Beim Informationsabend der Bürgerinitiative „Rettet den Weinberg“ am Donnerstag mit schätzungsweise rund 120 Besuchern zeigten fast ausschließlich die Gegner der geplanten Museumslandschaft an der Weinbergstraße Flagge.

Zerstörung einer einzigartigen, historisch geprägten städtischen Gartenfläche, fehlende Prüfung von Alternativstandorten, Verschandelung eines Aushängeschilds der Stadt, so lauteten die - größtenteils schon bekannten - Argumente gegen das Millionenprojekt.

Besonders heftig wurden die Folgen der Museumsbauten für die Verkehrssituation im Wohnquartier an der Weinbergstraße diskutiert. „Das gibt ein Chaos“, sagte Marcel Missler, Leiter des Seniorenheims Wohnstift am Weinberg. Die Straße sei für Busse, die die Besucher zu den Museen bringen sollen, viel zu schmal. Schon jetzt sei die Parksituation beengt. Er befürchte, dass die Krankenwagen nicht mehr zum Pflegeheim durchkommen.

„Der Verkehr wird sich steigern“, sagte Anwohner Egon Heuer. Der Parksuchverkehr sei schon jetzt schlimm, fügte er hinzu. Peter Koch, der am Weinberg seine Arbeitsstelle hat, kritisierte, dass es kein schlüssiges Verkehrskonzept für das Projekt gebe, für das die Stadtverordnetenversammlung im Frühjahr endgültig grünes Licht geben soll.

Es sei unklar, wie die Museumsbauten an den öffentlichen Nahverkehr angebunden werden können. „Die Leute wollen heutzutage direkt vorfahren“, sagte Zuhörer Ernst Raimund Wondrak. Er brachte einen neuen Standort für die Museen unterhalb des Weinbergs im Bereich der Kleingärten und des früheren Elisabeth-Klosters ins Spiel.

Die Verkehrsanbindung ist noch eine Achillesferse des Projekts. Das räumten selbst zwei Vertreter der Stadtverordnetenversammlung, Gernot Rönz von den Grünen und Marcus Leitschuh von der CDU, ein. Das Gebiet sei schlecht erschlossen. „Die Verkehrsproblematik ist noch nicht endgültig abgearbeitet“, räumte Rönz ein.

Zugleich wiesen die beiden Stadtverordneten Vorwürfe von Mitgliedern der Bürgerinitiative und aus dem Publikum zurück, die Standortentscheidung zugunsten des Weinberg sei am grünen Tisch gefällt worden. Die Vor- und Nachteile von Standortalternativen wie der Torwache oder dem ehemaligen Polizeipräsidium seien jahrelang abgewogen und öffentlich diskutiert worden. Da sei die Bürgerinitiative sehr spät dran.

Hilde Schnittker von der Bürgerinitiative wies darauf hin, dass der Henschelgarten gern als Park genutzt werde. „Der Henschelgarten ist immer in Betrieb“, sagte sie. Für viele gehbehinderte und alte Menschen sei er die einzige Möglichkeit, sich in der Natur barrierefrei zu bewegen.

Das gelte auch für die Patienten des nahen Elisabeth-Krankenhauses und die Bewohner des Wohnstifts am Weinberg. (pdi) Fotos: Dilling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.