Regierungspräsidium und HNA sammeln Informationen

Verkehrs-Brennpunkte: Wo ist es in Kassel zu laut?

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Eine der meistbefahrenen Straßen Kassels: Auf der Holländischen Straße sind jeden Tag etliche Tausend Lastwagen und Autos unterwegs.

Kassel. Verkehrslärm ist nicht nur lästig, er kann auch krankmachen. Das Regierungspräsidium Kassel bittet derzeit um Hinweise, wo es in und um Kassel besonders laut zugeht. Die Erkenntnisse sollen in einen Lärmminderungsplan einfließen. Auch die HNA sammelt Leserangaben zu Lärm-Brennpunkten.

Wir wollen darüber berichten, wo die Kasseler am meisten unter zu lautem Straßenverkehr leiden.

Das Thema Lärm beschäftigt immer wieder Ortsbeiräte und Anwohner-Initiativen, die Abhilfe fordern. Einige Beispiele aus jüngerer Zeit:

• Nord-Holland: Die KVG will entlang der Holländischen Straße den Gleiskörper verbreitern, damit dort auch Regiotrams fahren können. Eine Bürgerinitiative kritisiert, dass dadurch die Gehwege stellenweise schmaler würden und etliche Straßenbäume verschwinden sollten. Verkehrslärm und Abgase seien schon heute unerträglich, klagt die Initiative. Die Lage werde sich durch den Umbau verschärfen.

• Oberzwehren / Nordshausen / Brasselsberg: Die Lärmbelästigung durch die Autobahnen 44 und 49 ist immer wieder Kritikpunkt in den Ortsbeiräten der angrenzenden Stadtteile. Das am Schnittpunkt beider Autobahnen gelegene Volkswagenwerk wird jeden Tag allein von 700 Lastwagen und Transportern angesteuert.

• Fasanenhof: Auf der Ihringshäuser Straße sorgen neben den vielen Autos auch die Straßenbahnen für Lärm. Ortsbeirat und Anwohner fordern Geräuschdämmung für das Gleisbett.

• Kirchditmold: Derzeit läuft der Umbau der Loßbergstraße, eine der meistbefahrenen innerstädtischen Verbindungen. Im Bereich der Schmerfeldstraße haben sich Anwohner für den Bau einer zusätzlichen Lärmschutzwand ausgesprochen, weil der Fahrzeugverkehr unzumutbar laut sei.

• Vorderer Westen: Auch die Goethestraße wird gerade umgebaut und soll im vorderen Bereich rund um die Querallee durch breite Bürgersteige Boulevardcharakter bekommen. Anwohner fürchten, dass dadurch die Gastronomie überhandnimmt. Sie sehen durch zunehmenden Fahrzeug- und Passantenlärm bis in die Nacht hinein ihre Ruhe in Gefahr.

Lärmbekämpfung nach Plan

Wer in Kassel oder an Hauptverkehrsstraßen der nordhessischen Umgebung unter Verkehrslärm leidet, sollte sich jetzt beim Regierungspräsidium (RP) in Kassel melden. Die Behörde sammelt zurzeit Informationen aus der Bevölkerung über Lärm-Brennpunkte sowie Vorschläge zur Abhilfe.

Hintergrund ist eine europaweite Richtlinie zur Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm, die 2005 in deutsches Recht umgesetzt wurde. Seit 2007 erstellen die hessischen Regierungspräsidien Lärmkarten, die als Grundlage für Aktivitäten zur Lärmminderung dienen. Als lautesten Abschnitt im Stadtgebiet hatte das RP in einer ersten Untersuchung vor drei Jahren die Ysenburgstraße im Stadtteil Wesertor ausgemacht, gefolgt von der Ihringshäuser Straße, der Holländischen und der Kurt-Wolters-Straße. Auch an Teilen der Frankfurter Straße wurden erhebliche Lärmwerte gemessen.

Für den Entwurf eines neuen Lärmminderungsplans sind jetzt Anwohner in Nordhessen aufgerufen zu schildern, wo es insbesondere durch den Straßenverkehr Lärmprobleme gibt. Gegenstand des Verfahrens sind das Kasseler Stadtgebiet sowie Hauptverkehrsstraßen im Umland mit mehr als 8200 Fahrbewegungen pro Tag. Beispiele für solche Straßen sind nach Auskunft des Regierungspräsidiums etwa

• die Altenritter Straße in Baunatal Richtung Schauenburg,

• die Industriestraße in Hofgeismar und

• die Landesstraße vom Ratio durch Edermünde-Grifte zur Autobahn 7 in Guxhagen.

Teilnehmen kann man bis zum 22. Mai entweder im Internet unter www.laermaktionsplan.hessen.de oder per Brief an das Regierungspräsidium Kassel, Dezernat 33, Steinweg 6, 34117 Kassel.

Lärm-Probleme? Schreiben Sie uns

An welchen Stellen Kassels leiden Anwohner unter besonders starkem Verkehrs- und Umgebungslärm? Das möchte nicht nur das Regierungspräsidium, sondern auch die HNA-Redaktion von Betroffenen wissen. Schreiben Sie uns, wo es zu laut ist:

Entweder als Kommentar unter diesem Artikel

• per E-Mail an kassel@hna. de, Stichwort „Lärm“

• per Post an die HNA-Lokalredaktion Kassel, Stichwort „Lärm“, Postfach 10 10 09, 34010 Kassel

Mediziner: Dauerlärm geht an die Nerven

Wer dauerndem Umgebungslärm ausgesetzt ist, kann daran krank werden“, sagt der Kasseler Hals-Nasen-Ohrenarzt Lutz-Michael Schäfer. Vor allem Herz- und Kreislaufbeschwerden wie ein zu hoher Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen, aber auch Magen-Darm-Erkrankungen und chronische Schlafstörungen seien als mögliche negative Auswirkungen auf die Gesundheit belegt.

Dabei komme es weniger auf den objektiven Lautstärkepegel an, sagt der Arzt: „Das Hauptproblem ist die permanente Lärmberieselung, die im Wortsinn an die Nerven geht.“ Ständige Vibrationen, die oft mit einem verkehrsreichen Wohnumfeld einhergingen, täten ihr Übriges. „Lärm macht nervös“, sagt Schäfer. Und wo das Nervensystem ständig in Aufruhr sei, blieben psychosomatisch verursachte Krankheitsbilder nicht aus.

Allerdings seien Menschen je nach ihrer Lebenserfahrung unterschiedlich lärmempfindlich: „Wer an der Ihringshäuser Straße geboren und aufgewachsen ist, kommt damit wohl besser klar als jemand, der von Nordshausen dort hinzieht“, sagt Schäfer.

Von Axel Schwarz

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