Gutachter schlagen Tempo 30 vor - Viel Gegenwind

Verkehrsplaner haben die gefährlichsten Hauptstraßen in Kassel ermittelt

Kassel. Jeweils 45 Unfälle mit Toten oder Verletzten ereigneten sich auf der Holländischen Straße sowie auf zwei Abschnitten der Frankfurter Straße innerhalb von drei Jahren. Damit sind dies die gefährlichsten Strecken in Kassel.

Daher schlägt ein 637.000 Euro teures Verkehrsgutachten unter anderem dort eine Tempo 30-Begrenzung vor. Die Stadt hatte das Gutachten bei dem Dortmunder Büro Planersocietät in Auftrag gegeben (HNA berichtete).

Diese und weitere ins Spiel gebrachte Tempo-Limits auf Kasseler Hauptstraßen lehnen die Stadtverordneten aber mehrheitlich ab. CDU, SPD und FDP befürchten eine Verdrängung des Verkehrs in Seitenstraßen.

Die Dortmunder Gutachter hatten anhand der polizeilichen Zahlen von 2008 bis 2010 die acht Straßen mit den meisten Unfällen ermittelt. Nun wurden auf HNA-Anfrage erstmals die Unfallzahlen offengelegt, mit denen die Tempolimits begründet werden. Für diese Straßenabschnitte wird Tempo 30 empfohlen:

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• Frankfurter Straße (zwischen Auestadion und Tischbeinstraße): 29 Unfälle auf 1100 Metern.

• Frankfurter Straße (Korbacher Straße bis Silberbornstraße): 16 Unfälle auf 800 Metern.

• Holländische Straße (Holländischer Platz bis Niedervellmarer Straße): 45 Unfälle auf 2,1 Kilometern.

• Leipziger Straße (Kunigundishof bis Walkmühlenstraße): 26 Unfälle auf 850 Metern.

Das sagt der ADAC

Nach Auskunft von ADAC-Verkehrsexperte Wolfgang Herda sind die 45 Unfälle mit Personenschäden auf der Holländischen sowie auf den zwei Abschnitten der Frankfurter Straße vergleichsweise hoch. Selbst für einen Drei-Jahres-Wert und bei einem hohen Verkehrsaufkommen sei die Zahl überhöht. „Hier muss etwas passieren“, sagt Herda auf HNA-Anfrage. Ob allerdings ein Tempo 30-Limit die richtige Lösung sei, müsse im Einzelfall geprüft werden. „Die Hauptverkehrsstraßen müssen als Entlastungsnetz funktionieren. Auf diesen sind in Hessen nur in begründeten Ausnahmen Geschwindigkeitsbegrenzungen zulässig.“

• Schönfelder Straße (Wilhelmshöher Allee bis Heinrich-Heine-Straße): 14 Unfälle auf 600 Metern.

• Wilhelmshöher Allee (Baunsbergstraße bis Landgraf-Karl-Straße): 14 Unfälle auf 650 Metern.

• Altenbaunaer Straße (Oberzwehrener Straße bis Schenkelsbergstraße): 12 Unfälle auf 600 Metern.

• Kurt-Schumacher-Straße (Mittelgasse bis Altmarkt): 5 Unfälle auf 250 Metern.

• Obervellmarer Straße (Firnskuppenstraße bis Wolfhager Straße): Sechs Unfälle auf einer Strecke von 300 Metern.

Wenn man die Unfälle auf den für ein Tempolimit vorgeschlagenen Straßenabschnitten auf 100 Meter Strecke umrechnet, ist die Leipziger Straße zwischen Kunigundishof und Walkmühlenstraße in Bettenhausen die unfallträchtigste im Stadtgebiet. Dort ereigneten sich auf 850 Metern in drei Jahren 26 Unfälle, bei denen Personen zu Schaden kamen.

Karte: Hier ereigneten sich 2013 tödliche Unfälle

Nach den aktuellsten Zahlen der Polizei ist weiterhin die Holländische Straße ein großer Gefahrenpunkt. Auf ihr kamen 2013 bei drei Unfällen zwei Fußgänger und ein Autofaher ums Leben. Damit hat die Straße vergangenes Jahr die meisten der insgesamt sechs Verkehrstoten gefordert.

Nach einer Statistik der Polizei waren von den insgesamt 5067 Kasseler Unfällen (inklusive Bagatellschäden) im Jahr 2013 nur 195 hauptsächlich auf zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen.

Von Bastian Ludwig

Rubriklistenbild: © dpa

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