Psychologe: Mit Unfallflucht sollen oft andere Straftaten verdeckt werden

Beule im Auto: Wer den Schaden verursacht hat, muss auch dafür aufkommen. Immer öfter machen sich Autofahrer aber aus dem Staub. Archivfoto: hai

Kassel. In den meisten Fällen sind Alkohol oder Drogen im Spiel, wenn sich Autofahrer nach einem Unfall auf und davon machen, ohne die Verantwortung für ihre Tat zu übernehmen. 

Bei zwei Dritteln der später aufgeklärten Fälle von Unfallflucht wollten die Unfallverursacher andere Verkehrsstraftaten wie das Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss vertuschen, sagt der Kasseler Verkehrspsychologe Bernd Lehnert. Manchmal werde der Schaden aber auch nicht richtig eingeschätzt. Später stelle sich dann heraus, dass er weitaus größer sei, als auf Anhieb erkennbar war. Der Leiter der TÜV-Begutachtungsstellen für Fahreignung in Kassel, Korbach, Göttingen und Bad Hersfeld spricht von einer Verhaltensunsicherheit.

Ältere Fahrer bekämen manchmal auch nicht mit, dass sie mit ihrem Fahrzeug gegen ein anderes gestoßen seien oder den Außenspiegel touchiert hätten, sagt Lehnert, der stellvertretender Vorsitzender der Sektion Verkehrspsychologen des Berufsverbandes deutscher Psychologen ist. „Sie hören schlecht und sie sehen schlecht.“ Ihre Aufmerksamkeit sei selektiv. Etwa ab dem 75. Lebensjahr seien Autofahrer generell häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt. Sie stellten neben den 18- bis 25-Jährigen die zweite Hauptproblemgruppe im Straßenverkehr dar.

Bernd Lehnert

Manche Fahrer scheuten auch die finanziellen Folgen, etwa eine höhere Einstufung bei der Versicherung. Sie handelten nach dem Motto „Es wird schon niemand gesehen haben“ und gingen lieber das Risiko ein, als Nachteile in Kauf zu nehmen.

Panikreaktionen wie Flucht als Folge eines Schocks kommen nach Erfahrung des Verkehrspsychologen sehr selten vor. „Wir sehen erst die Fälle am Ende der Kette“, sagt Lehnert. Wer zur medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) muss – im Volksmund Idiotentest genannt –, hat einige Verfehlungen im Straßenverkehr hinter sich. Nach Einschätzung des Psychologen nimmt das Unrechtsbewusstsein bei Verkehrsverstößen allgemein ab.

Von Ellen Schwaab

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