Vor vier Monaten hat es an der Friedrich-Ebert-Straße gebrannt, seither geschah nichts

Was von einem Leben übrig bleibt: Verkohlte Haushaltsgegenstände aus der Brandwohnung verunstalten immer noch den Garten des Mehrfamilienhauses an der Friedrich-Ebert-Straße. Fotos: Rissmann

Kassel. Lautsprecher, Klappbox, Fernseher – die verkohlten Überreste des folgenschweren Brandes in einem Mietshaus an der Friedrich-Ebert-Straße verunstalten auch vier Monate später immer noch den Garten.

„Ich habe das Gefühl, dass es der Hausverwaltung vollkommen egal ist, was aus dem Haus wird“, sagt Mieterin Britta S.

Die 27-Jährige lebt zusammen mit ihrem Freund David B. im zweiten Stock des Hauses. Als am Abend des 12. Juni die Feuerwehr zum Löschen anrückte, kamen sie gerade nach Hause. Die Einsatzkräfte hatte ein anderer Nachbar gerufen, der durch Zufall den Schwelbrand im Untergeschoss des Gebäudes bemerkte. Allerdings kam für einen 44-jährigen Nachbarn der beiden jede Hilfe zu spät. „Man kannte sich kaum, aber es macht einen schon betroffen“, sagt David B. Vor allem, weil die Wohnung bis heute eine verkohlte Ruine ist. „Es ist noch wie direkt nach dem Brand“, sagt der 33-Jährige.

„Es ist einfach pietätlos, dass sich niemand um die Wohnung und die Hinterlassenschaften des Nachbarn kümmert.“

Mieterin Britta S.

Im Treppenhaus hängt immer noch ein leichter Brandgeruch. „Die ersten Wochen roch es richtig unangenehm. Und jetzt immer so nach Wetterlage“, sagt Britta S. Sie ist verärgert, dass immer noch nichts passiert ist: „Es ist einfach pietätlos, dass sich niemand um die Wohnung und die Hinterlassenschaften des Toten kümmert.“ Noch viel schlimmer sei, dass mindestens drei oder vier Mal Plünderer in der Wohnung waren. „Ob da auch mal Familie bei war, kann ich nicht sagen, aber merkwürdig war es schon“, sagt sie.

Auch das zerborstene Fenster wurde bislang nicht ersetzt.

Unzufrieden sind Britta S. und David B. schon länger mit ihrer Hausverwaltung: „Zweimal hat der Vermieter im vergangenen Jahr vergessen, Heizöl zu tanken und wir saßen im Kalten“, sagt sie. Der Mehrfamilien-Altbau zwischen Friedenskirche und Bebelplatz gehört der Conti Immobilien GmbH und wird von der Kasseler Hausverwaltung S-Consult Immobilienmanagement betreut.

Man wisse allerdings nie so genau, an wen man sich wenden könne, sagen die beiden: „Letzten November kam ein Brief von der S-Consult, sie sei nicht mehr zuständig, eine Woche später kam der nächste, dass sie sich nun doch wieder kümmern.“

Die Hausverwaltung sei zudem telefonisch wie schriftlich nur schlecht zu erreichen, würde kaum reagieren. Auf so manchen versprochenen Rückruf warte das Paar noch heute. Auch der Eigentümer, die Conti Immobilien GmbH, sei schwer zu erreichen, es gebe da nur eine Adresse an der Mombachstraße. „Da gibt es aber nur einen oft übervollen Briefkasten, sonst nichts“, sagt David B.

Die beiden finden es sehr schade, dass man sich nicht besser um das Haus kümmert. „Es ist ein schöner Altbau, wir wohnen richtig gern in unserer kleinen und gemütlichen Wohnung“, sagen sie.

Von der Firma S-Consult war keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erhalten.

Von Diana Rissmann

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