tudentenzahlen steigen, aber Förderung bleibt aus

Verliert Kassel die CVJM-Hochschule?

+

Kassel. Die CVJM-Hochschule in Bad Wilhelmshöhe boomt. Im dritten Jahr nach der Gründung zählt die private christliche Hochschule 200 Studenten. Bis 2016 soll sich die Zahl auf 400 erhöhen. Doch die Hochschule überlegt, Kassel zu verlassen. Weshalb, lesen Sie hier:

Vor allem der Studiengang „Religions- und Gemeindepädagogik/Soziale Arbeit“ sei stark nachgefragt, berichtet Rektor Prof. Wolfgang Neuser. Auch die Bachelorstudiengänge im Online-Fernstudium liefen gut. Trotz der Freude über die positive Entwicklung könnte die Stimmung in der CVJM-Hochschule derzeit besser sein. Verärgert sind Rektor Neuser und der Träger, das CVJM-Bildungswerk, über verwehrte finanzielle Unterstützung vom Land.

Jetzt überlegt die Hochschule, Kassel zu verlassen. In anderen Bundesländern sei die Förderpraxis großzügiger. Weil Hessen im Rahmen des Hochschulpakts 13 000 Euro pro zusätzlichem Studienanfänger bekommt, hatte die Hochschulleitung um Beteiligung gebeten. Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) hatte das abgelehnt. „Es wird nicht honoriert, welchen Beitrag wir zur Bewältigung der hohen Studierendenzahlen in Hessen leisten“, sagt Neuser mit Verweis auf die beim CVJM gegründeten Studienplätze. Die Planung für die zweite Förderphase (2011 bis 2015) sei bereits 2008 abgeschlossen gewesen, hieß es gestern aus dem Ministerium. Neben den zwölf staatlichen profitieren dabei auch drei private Hochschulen in Hessen. (rud)

Campus wächst – aber wo?

Keine Beteiligung an Förderung: CVJM-Hochschule prüft Standortverlagerung

Von Katja Rudolph

Kassel. Mit 54 Studenten nahm die CVJM-Hochschule (Christlicher Verein Junger Menschen) im September 2009 den Lehrbetrieb auf. Jetzt sind es knapp viermal so viele. Tendenz steigend. Bislang hat die christliche Hochschule, die staatlich anerkannt ist, noch keinen Cent vom Land in Anspruch genommen. Sie finanziert sich über Studiengebühren und Sponsoren. Doch jetzt, wo das Land Hessen vom Bund über den Hochschulpakt 2020 für zusätzliche Studienplätze Förderung bekommt, möchte die private Hochschule auch zum Zug kommen.

Allein im vergangenen Jahr hat die CVJM-Einrichtung in Bad Wilhelmshöhe nach eigenen Angaben 78 neue Bachelor-Studienplätze eingerichtet. Das Land bekommt in der zweiten Phase des Hochschulpakts, von 2011 bis 2015, pro zusätzlichem Studienanfänger 13 000 Euro pro Jahr vom Bund. „Wir würden uns schon freuen, wenn wir 1000 Euro pro Studienplatz bekämen“, sagt Prof. Wolfgang Neuser, Rektor der CVJM-Hochschule. Die im August an das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst gerichtete Bitte um finanzielle Unterstützung hatte die Kasseler Ministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) im Dezember aber abgelehnt. Die Ungleichbehandlung zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Hochschulen bei der Schaffung neuer Studienplätze kann Neuser nicht nachvollziehen.

„Auch wir leisten einen erheblichen Beitrag zur Bewältigung der hohen Studienbewerberzahlen in Hessen“, sagt der Rektor mit Verweis auf die 200 Bachelor-Plätze, die seit Herbst 2009 in Kassel entstanden sind. Und genau für solch neu eingerichtete Studienplätze kassiere das Land die Fördermittel vom Bund, sagt Neuser. Weil die CVJM-Hochschule weiter wächst und derzeit eine Erweiterung des Campus plant, erwägen Leitung und Trägergesellschaft jetzt, den Standort Kassel aufzugeben. In unmittelbarer Nachbarschaft der Hochschule hat auch der CVJM-Gesamtverband seinen Sitz.

„Wir wollen damit keine Drohkulisse aufbauen“, sagt Neuser über den möglichen Wegzug. Aber die Absage aus Wiesbaden sei eine herbe Enttäuschung gewesen. In anderen Bundesländern sei die Förderpraxis großzügiger. Man habe Gespräche mit dem CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands) in Eppingen, Baden-Württemberg, aufgenommen, um sich möglicherweise zusammenzutun. Die Hochschule würde Kassel nur ungern den Rücken kehren, betont Neuser.

Kassels zentrale Lage sei gerade für die Fernstudiengänge ein Argument. Bis zur Absage aus Wiesbaden habe die Marschrichtung gelautet: Verwirklichung des Ausbaus der Hochschule auf dem Campus in Kassel. Das stehe jetzt auf dem Prüfstand. Ohnehin wäre es schwer, die Millionen dafür aufzubringen, sagt der Rektor.

Das sagt das Ministerium

Geld ist schon verplant

Die Entscheidung, welche hessischen Hochschulen an der zweiten Phase des Hochschulpakts von 2011 bis 2015 beteiligt werden, sei schon 2007/08 gefallen, sagt Jörg Kilian, Sprecher des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. „Das Geld ist schon verteilt.“ Insgesamt gehe es um 380 Mio. Euro, die je zur Hälfte von Bund und Land finanziert seien. Neben den zwölf staatlichen seien auch drei nicht-staatliche Hochschulen berücksichtigt. Nach allen Abzügen betrage die Netto-Förderung für die staatlichen Hochschulen etwa 5000 Euro pro Studienplatz und Jahr, bei den privaten die Hälfte.

Voraussetzungen für eine Förderung privater Hochschulen seien die Gemeinnützigkeit und die Ausbildung für den allgemeinen Arbeitsmarkt. Über die dritte Phase des Hochschulpakts ab 2016 werde gegen Ende der laufenden Förderphase entschieden. Ob der CVJM dann eine Chance hat, dazu könne das Ministerium noch nichts sagen.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der gedruckten Hessischen Allgemeinen

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.