Verlorene Stadt: Altes Kassel zum Vergleich

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Vergangenheit und Gegenwart am gleichen Ort: Das großformatige Foto von der Frankfurter Straße vor 1943 tragen Dieter Theuermeister (von links), Susanne Abel und Jürgen Thomas vom Laufladen, der sich in dem Eckhaus befindet.

Kassel. Zwischen der Oberen Königsstraße und der documenta-Halle erstreckt sich der Friedrichsplatz über stolze 340 Meter. Er ist zudem 112 Meter breit und mit diesen Dimensionen einer der größten innerstädtischen Plätze in Deutschland.

Rund um dieses Herzstück Kassels ist ab heute eine ungewöhnliche Ausstellung zu sehen, für die man keinen Eintritt bezahlen muss. In den Schaufenstern der anliegenden Geschäfte sind großformatige historische Fotos ausgestellt. Diese „Bilder unserer verlorenen Stadt“ sind Teil eines Gemeinschaftsprojekts zum Stadtjubiläum 1100 Jahre Kassel.

Blick von der Friedrichsplatzrandstraße: Die Aufnahme entstand um 1930. Im Hintergrund links ist das Fridericianum zu sehen.

Nach Stationen unter anderem an der Wilhelmsstraße, rund um den Martinsplatz und an der Oberen Königsstraße ist dies bereits der sechste Rundgang. Sie alle befassen sich mit dem anschaulichen Vergleich zwischen der Bebauung vor der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 und der heutigen Situation. So ist zum Beispiel in einem Schaufenster des Laufladens an der Frankfurter Straße die Häuserflucht von früher zu sehen. In dem Eckhaus mit der Werbung für ein Pianogeschäft befindet sich heute der Sportladen. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Straße hier früher so viel schmaler war“, sagt Inhaber Dieter Theuermeister. Er ist vor 32 Jahren von Gießen nach Kassel gezogen und hat sich jeden der Ausstellungsrundgänge angesehen.

Eine besonders schöne Ansicht des Friedrichsplatzes hängt im Schaufenster von Brillen Vesper. Sie zeigt eine Szene um 1930, in der sich die Menschen auf Bänken im Schatten der Bäume ausruhen.

Der Kasseler Historiker Christian Presche hat die informativen Texte zu den Bildern verfasst. Hier erfährt man unter anderem, dass es im Obergeschoss des Fridericianums einen 78 Meter langen und acht Meter hohen Bibliothekssaal gab. In dieser Bibliothek haben die Brüder Wilhelm und Jacob Grimm gearbeitet.

Von Sinn Leffers über Köhler bis zum Café Nenninger und der AOK ist die Ausstellung in den nächsten Wochen an zehn Stationen rund um den Friedrichsplatz zu sehen.

Die Stationen der Ausstellung im HNA-Regiowiki

Station 1: Café Nenninger, Friedrichsplatz 8

Station 2: Brillen Vesper, Friedrichsplatz 6

Station 3: Köhler Herrenbekleidung, Obere Königsstraße 37 (I)

Station 4: Köhler Herrenbekleidung, Obere Königsstraße 37 (II)

Station 5: Sinn Leffers, Friedrichsplatz 19-20 (I)

Station 6: Sinn Leffers, Friedrichsplatz 19-20 (II)

Station 7: AOK Geschäftsstelle, Friedrichsplatz 14 (I)

Station 8: AOK Geschäftsstelle, Friedrichsplatz 14 (II)

Station 9: Laufladen, Friedrichsplatz 12 (I)

Station 10: Laufladen, Friedrichsplatz 12 (II)

Von Thomas Siemon

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