Vermessung des Weinbergs in Kassel durch Experten

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Bei der Arbeit: Sandra Rus mit einem Vermessungsinstrument am Kasseler Weinberg. Rus leitet die 16-köpfige Vermesserabteilung bei der Stadt Kassel.

Kassel. Sandra Rus kann beruhigen: Kassel steht – anders als manche Bergbausiedlung – ziemlich stabil. Gemeinsam mit 15 weiteren Vermessern der Stadt Kassel ist die Abteilungsleiterin damit beschäftigt, Häuser, Brücken, Kreuzungen, Mauern und Unterführungen auf minimalste Veränderungen hin zu untersuchen.

Auch der Weinberg wird von der Stadt alle ein bis zwei Jahre neu vermessen, um ein mögliches Absenken, Kippen oder Abrutschen rechtzeitig zu bemerken. Nun war es mal wieder soweit.

Mit hochpräzisen Vermessungsinstrumenten, die mit Lasern arbeiten, wird das Kasseler Wahrzeichen unter die Lupe genommen. Vor zehn Jahren waren an dem Bauwerk 80 Messmarken angebracht worden. Anhand der Marken können die Vermesser mit Hilfe der Lasertechnik feststellen, ob sich diese in ihrer Lage verändert haben. „Wir beobachten am Weinberg Bewegungen von bis zu drei Millimetern. Diese sind aber unbedenklich“, sagt Rus. Solche minimalen Veränderungen seien etwa auf Temperaturunterschiede im Gestein zurückzuführen. Erst wenn sich Messmarken über einen längeren Zeitraum kontinuierlich in eine Richtung verschieben, würden Geologen eingeschaltet, die sich des Phänomens annehmen.

Die Arbeit der Vermesser ist sehr aufwendig. Allein für den Weinberg werden 1000 Messungen vorgenommen, um die Standfestigkeit zu dokumentieren.

Früher war es für die Vermesser aber noch viel komplizierter. Sie spannten Drähte über die Frankfurter Straße, um so festzustellen, ob sich die Abstände verändern. Weil die Messungen von damals nicht mit den heutigen Methoden vergleichbar sind, kann die Stadt nicht beurteilen, ob und wie sich der Weinberg über die Jahrhunderte verschoben hat.

Mit der modernen Technik war es auch möglich, Scans vom Weinberg anzufertigen. So gibt es hochgenaue 3D-Modelle, sowohl von den gewaltigen Stützmauern als auch von den dahinter liegenden Stollenanlagen.

Neben dem Weinberg untersuchen die Vermesser auch viele weitere Bauwerke. Darunter etwa die Stützmauern am Schlangenweg, am Polizeipräsidium oder andere öffentliche Gebäude. Eine Beobachtung machen sie dabei immer wieder: „Wenn wir mit unseren Geräten am Straßenrand stehen, treten die Menschen auf die Bremse.“ Denn ihre Geräte ähnelten auf den ersten Blick mobilen Blitzgeräten.

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