Verband warnt: Niedrige Mieten in Nordhessen beschneiden nötige Investitionen

Vermieter wollen Fördergeld

Kassel. Die Mieten in Nordhessen liegen 41 Prozent unter dem hessischen Landesdurchschnitt. Was Mieter in der Region Kassel freut, wird für Vermieter zum Problem. Der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest) hat gestern in Kassel davor gewarnt, dass die niedrigen Wohnungsmieten in Nordhessen die Investitionen für dringend nötige Modernisierungen von Mietshäusern beschneiden.

Rund 60 Prozent des Wohnungsbestandes stammten aus der Zeit der 1950er- bis 1970er-Jahre, sagt VdW-Vorstandssprecher Dr. Rudolf Ridinger: „Diese Wohnungen stehen jetzt zur Modernisierung an.“ Die Vorgaben für den sparsamen Umgang mit Energie vor allem zum Heizen seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Energiesparende Investitionen zum Beispiel in neue Heizungsanlagen und Wärmedämmung rechneten sich aber für die Wohnungsunternehmen nicht, wenn die durchschnittlichen Mieten auf niedrigem Niveau blieben.

Vor allem in Regionen wie Nordhessen, wo der Wohnungsmarkt energiesparende Investitionen nicht durch höhere Mietpreise honoriere, sei es besonders fatal, dass die Bundesregierung keine finanzielle Förderung solcher Investitionen eingeplant habe. Die politischen Vorgaben führten zu enorm hohen Kosten für die energetische Modernisierung. „Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen“, fordert Ridinger: „Ohne öffentliche Förderung geht es nicht.“

Dass die starke Verteuerung von Öl und Gas die durch Modernisierung erzielbaren Einsparungen bei den Heizkosten zu einem beträchtlichen Teil wieder aufzehrt, macht es für die Wohnungsunternehmen zusätzlich schwer, Geld in die Wohnhäuser zu investieren. Karl-Heinz Range, Vorstandschef der Vereinigten Wohnstätten 1889 in Kassel mit 4500 Wohnungen, nennt Zahlen. Einer Energiekosten-Ersparnis von 60 Cent im Monat pro Quadratmeter Wohnfläche würden Investitionskosten von 1,50 Euro im Monat pro Quadratmeter gegenüberstehen. Noch teurer und damit noch weniger wirtschaftlich werde es, wenn gleichzeitig altersgerecht und weitgehend barrierefrei modernisiert werde.

VdW-Chef Ridinger fordert eine Wohnungspolitik mit Augenmaß. Alle Anforderungen könnten nun mal aufgrund der hohen Kosten nicht gleichzeitig umgesetzt werden. Deshalb sehe die Wohnungswirtschaft die aktuelle Diskussion im hessischen Landtag zu einem ersten hessischen Gesetz zum Wohnen positiv. Damit müssten die verschiedenen Zielsetzungen im Hinblick auf die Realisierbarkeit abgewogen werden.

Von Jörg Steinbach

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