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Bei hohen Nebenkosten: Viele große Vermieter in Kassel zeigen sich kulant

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Von: Bastian Ludwig

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Die Nebenkostenabrechnung bereitet vielen Mietern in Kassel Sorgen. Die großen Wohnungsunternehmen geben sich kulant und wollen auf Kündigungen zunächst verzichten.

Kassel - Die stark gestiegenen Energiekosten bereiten vielen Menschen Kopfzerbrechen. Doch mit dem nahenden Winter haben nun viele große Vermieter angekündigt, auf nebenkostenbedingte Kündigungen zu verzichten. Hier erfahren Sie, welche das sind. Das heißt, auch wer seine stark gestiegenen Nebenkosten nicht oder nur teilweise zahlen kann, muss vorerst mit keiner Kündigung rechnen. Wir geben einen Überblick, wie die großen Vermieter verfahren.

Grundsätzlich sei der Vermieter bei Zahlungsverzug zweier Monatsmieten oder eines nicht unerheblichen Teils der monatlichen Mietzahlungen berechtigt, das Mietverhältnis außerordentlich und fristlos zu kündigen, so Maximilian Malirsch, Geschäftsführer des Mieterbundes Nordhessen. Als Miete würden periodisch wiederkehrende Zahlungen verstanden, also auch Betriebs- und Heizkostenvorauszahlungen oder entsprechende Pauschalen.

Die Nebenkostenabrechnung bereitet vielen Mietern große Sorgen: Die großen Wohnungsunternehmen wollen bei ausstehenden Nebenkostenabrechnungen zunächst auf Kündigungen verzichten.
Die Nebenkostenabrechnung bereitet vielen Mietern große Sorgen: Die großen Wohnungsunternehmen wollen bei ausstehenden Nebenkostenabrechnungen zunächst auf Kündigungen verzichten. © dpa

Hohe Nebenkosten in Kassel: Mieterbund begrüßt Verbesserung des Kündigungsschutzes

Bei Nachforderungen aus der Betriebs- und Heizkostenabrechnungen sei eine fristlose außerordentliche Kündigung dann möglich, wenn die Nachforderung die Höhe von zwei Monatsmieten erreicht und die Mieter mit dem Ausgleich der Nachforderung länger als einen Monat in Rückstand sind. Daneben könne auch wegen eines Zahlungsrückstandes mit einer begründeten Nachforderung in Höhe einer Monatsmiete ordentlich, also unter Einhaltung der Kündigungsfrist, gekündigt werden.

So verfahren unterschiedliche Vermieter

GWG: Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG ist mit 8400 Wohnungen der größte Vermieter in Kassel. Sollten Mieter in die Situation kommen, ihre gestiegenen Wärmekosten nicht zahlen zu können, sollten diese direkt mit der GWG Kontakt aufnehmen, um „gemeinsam individuelle Lösungen entwickeln zu können“, so eine Sprecherin. In Gesprächen werde die persönliche Situation analysiert. Ein klares Versprechen, dass es keine Kündigung geben wird, gibt die GWG aber nicht ab.

GWH: Die GWH Wohnungsgesellschaft schließt für die Jahre 2021 und 2022 Kündigungen des Mietverhältnisses wegen nicht vollständig beglichener Nebenkosten aus. Eine verbindliche Treue-Erklärung hat das Immobilienunternehmen vergangene Woche veröffentlicht. Die Zusage gilt für Abrechnungen und erhöhte Vorauszahlungen für 2022 und mögliche Nachforderungen aus dem Geschäftsjahr 2021. Die GWH ist eine Tochter der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba und unterhält in Kassel knapp 6000 Wohnungen. Damit ist die GWH nach der GWG der zweitgrößte Vermieter in der Stadt Kassel.)

Wohnstadt: Die mehrheitlich landeseigene Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/ Wohnstadt (NHW) werde keine Kündigungen wegen gestiegener Nebenkosten aussprechen und biete Mietern mit Zahlungsschwierigkeiten an, individuelle Lösungen zu finden, so ein Sprecher. Aufgrund von Nachforderungen aus Nebenkostenabrechnungen werde niemandem gekündigt. Die Regelung gelte für alle kommenden Nebenkostenabrechnungen. Die NHW ist mit gut 5000 Wohnungen drittgrößter Vermieter in der Stadt.

1889: Die Vereinigten Wohnstätten 1889 werden in solchen Fällen ebenfalls keine Kündigungen aussprechen, teilen die Vorstände der Genossenschaft, Uwe Flotho und Britta Marquardt, mit. Es werde immer erst mit Mietern nach Lösungen gesucht. Zudem werde Unterstützung durch Sozialarbeiter des Vereins Hand in Hand angeboten. Der 1889 gehören in Kassel etwa 4000 Wohnungen.

Vonovia: Der Vorstandschef des Immobilienkonzerns Vonovia, Rolf Buch, hat jüngst klargestellt, dass kein Vonovia-Mieter seine Wohnung verlieren werde, nur weil er die Heizkosten nicht zahlen könne. Kurz zuvor hatten mehrere Medien berichtet, dass die Vonovia etwas Gegenteiliges plane. Dem widersprach der Vorstandschef. Die Vonovia hat in Kassel 3300 Wohnungen.

Aufgrund dieser Gefahr des Wohnungsverlustes hatten sich Ende September Mietervereine, Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Juristenverbände mit einem offenen Brief an Justizminister Dr. Marco Buschmann gewandt und eine deutliche Verbesserung des Kündigungsschutzes für Mieter gefordert. Dass nun mehrere große Vermieter von sich aus auf Kündigungen in solchen Fällen verzichten wollen, wird vom Mieterbund begrüßt. (Bastian Ludwig)

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