13 Menschen seit 2006 für tot erklärt

Vermisste Personen: Jedes Jahr weit über 100 Fälle in Kassel

Kassel. Jedes Jahr verschwinden in Stadt und Kreis Kassel Menschen spurlos. Trotz intensiver Suche werden sie nicht gefunden. Auf Antrag von Familienangehörigen können die Vermissten nach bestimmten Fristen vom Amtsgericht für tot erklärt werden.

Das Kasseler Amtsgericht tat das in den vergangenen sechs Jahren 13 Mal. Die Kasseler Polizei hat jährlich im Schnitt mit weit über 100 Vermissten-Fällen zu tun (2011: 125, 2010: 161, 2009: 158). Diese Zahlen bezeichnet die Polizei selbst als „erschreckend hoch“. Sie relativieren sich aber auf den zweiten Blick: Darunter sind viele Kinder und Jugendliche, die öfter von Zuhause abhauen und wieder auftauchen - sie sind meist nur für ein paar Stunden weg. Darunter ist auch mancher, der öfter verschwindet. Polizeisprecherin Sabine Knöll: „Wir haben da so unsere Pappenheimer.“ Als Faustregel gilt: Von 100 Vermissten bleiben pro Jahr höchstens ein, zwei Menschen verschollen.

Aber auch das summiert sich mit den Jahren: So gibt es in Stadt und Landkreis Kassel in den Fahndungslisten der Polizei zurzeit 20 Vermisste, die seit langem nicht aufgetaucht sind.

Den Rekord hält Renate S. aus Kassel-Helleböhn. Sie ist seit 1979 verschwunden und seitdem nicht wieder aufgetaucht. Sie war damals 29 Jahre alt und müsste demnach heute 62 Jahre alt sein. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass die Frau Opfer eines Verbrechens wurde.

Wer lange Zeit vermisst ist, kann auf Antrag seiner Angehörigen für tot erklärt werden. Wie das funktioniert, regelt das Verschollenheitsgesetz. Ein Vermisster kann nach zehn Jahren für tot erklärt werden. Wenn er über achtzig Jahre alt ist, bereits nach fünf Jahren. Verschwundene Menschen, die unter 25 Jahre alt sind, dürfen nicht für tot erklärt werden. Ausnahmeregelungen gibt es etwa bei Schiffsuntergängen, Flugzeugabstürzen und anderen Unglücken.

Von Frank Thonicke

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