Kasseler Wirtschaftsforscher hat mehr als 3400 Menschen zum Klimawandel befragt

Wer verpestet, soll zahlen

Wenn die Bürger entscheiden könnten, müssten die Verursacher die Folgen des Klimawandels zahlen. Auf dem Bild sind Schornsteine eines Blockheizkraftwerkes in Berlin zu sehen. Foto: dpa

Kassel. Noch sind sich Politiker nicht einig, wer für die Kosten des Klimawandels aufkommen soll. Fragt man jedoch Bürger in Deutschland, China und den USA, ist sich die Mehrheit einig: Wer das Klima ruiniert, soll auch dafür zahlen. Das ergab eine Studie der Universität Kassel und des Karlsruher Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI).

„Im Gegensatz zu ihren politischen Vertretern haben die befragten Bürgerinnen und Bürger eindeutige Vorstellungen davon, welche Kostenverteilung sie als gerecht beurteilen“, sagt Prof. Andreas Ziegler von der Uni Kassel.

Der Leiter des Fachgebiets Empirische Wirtschaftsforschung hat mit einer ISI-Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Joachim Schleich mehr als 3400 Menschen in China, Deutschland und den USA zur Wahrnehmung internationaler Klimapolitik befragt. „Eine große Mehrheit der Befragten findet es gerecht, wenn auch beim Klima das Verursacherprinzip gilt“, fasst Ziegler die Kernaussage der Studie zusammen. Für die Untersuchung fragten die Forscher nach verschiedenen Regeln zur Verteilung der Klimawandel-Kosten. Favorit unter allen Befragten war das Verteilungsprinzip, „nach dem die Länder, die am meisten zum Klimawandel beitragen, auch den größten Anteil der Kosten tragen sollten“, sagt Ziegler. So sind 77 Prozent der befragten Deutschen der Meinung, dieses Prinzip sollte eher stark oder sehr stark bei der Verteilung der Klimawandel-Kosten berücksichtigt werden.

In China teilen 69 Prozent diese Ansicht, in den USA 62 Prozent. An zweiter Stelle folgt eine Kostenverteilung nach Wirtschaftskraft.

„Eine große Mehrheit der Befragten findet es gerecht, wenn auch beim Klima das Verursacherprinzip gilt.“

Andreas Ziegler

Demnach trügen reichere Staaten einen größeren Kostenanteil als ärmere. In Deutschland fänden das 56 Prozent der Befragten gerecht, in China 64 Prozent, in den USA 46 Prozent.

Weit auseinander geht die Meinung von Deutschen, Chinesen und Amerikanern allerdings dann, wenn sie zur Bilanz bisheriger Klimakonferenzen befragt werden. Nur in China hält die Mehrheit der Befragten (54 Prozent) bisherige internationale Klimaverhandlungen für eher oder sehr erfolgreich.

US-Bürger anderer Meinung

In den USA teilen lediglich 22 Prozent diese Meinung, in Deutschland sogar nur acht Prozent. „Die Deutschen bemessen dem Klimawandel traditionell eine vergleichsweise hohe Bedeutung bei.

Der mangelnde Fortschritt in der internationalen Klimapolitik in den vergangenen Jahren wird daher in Deutschland besonders kritisch beurteilt“, erklärt Ziegler dieses Ergebnis.

Von Sebastian Schaffner

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