Kasseler Chemiker und Fabrikant vor 175 Jahren geboren

Ludwig Mond: Er verschenkte ein Vermögen

Drei Bilder, ein Künstler: Die Gemälde von Lucas Cranach d.  Ä. gehören zu einem kleinen Flügelaltar aus dem Jahr 1509. Ludwig Mond hat ihn seiner Heimatstadt Kassel geschenkt. Repro: nh

Kassel. Seinen Namen kennt in Kassel fast jeder. Aber wer dieser Ludwig Mond (1839 - 1909) war, nach dem die Straße zwischen dem Auestadion und der Schönfelder Straße in Wehlheiden benannt ist, das weiß kaum jemand. Dabei war der Chemiker einer der bedeutendsten Industriellen seiner Zeit. Er verdiente ein Vermögen, spendete große Summen und machte sich als Kunstsammler einen Namen.

Seine Wurzeln hat Ludwig Mond in der Kasseler Altstadt. In der Nähe der Martinskirche wurde er am 7. März 1839 geboren. Sein Geburtshaus wurde in der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 zerstört. An seinen Vater, den Kaufmann Meyer Bär Mond, erinnert ein Ehrengrab auf dem jüdischen Friedhof in Bettenhausen.

Ludwig Mond ging in Kassel zur Schule und machte schon früh naturwissenschaftliche Experimente. Nach dem Chemiestudium in Marburg und Heidelberg sammelte er erst einmal praktische Erfahrungen in einer kleinen Sodafabrik in Ringenkuhl bei Witzenhausen. Hier entwickelte er ein Patent zur Sodaverarbeitung, das ihm die Tür nach England öffnete.

Mit seinem Partner John T. Brunner gründete er eine Fabrik, entwickelte nach einigen Startschwierigkeiten neue Produktionsverfahren und machte sie zum größten Sodawerk der Welt. Soda wird unter anderem für Waschmittel verwendet.

Ludwig Mond verdiente sehr viel Geld. Gleichzeitig galten die Arbeitsbedingungen in seinen Fabriken als vorbildlich. Die von ihm gewährte Lohnfortzahlung bei Krankheit, bezahlter Urlaub und medizinische Versorgung für die Arbeiter waren damals außergewöhnlich.

500 000 Mark für Arme

Seine Wurzeln hat der erfolgreiche Fabrikant nicht vergessen. Mit den von ihm gespendeten 500 000 Mark wurde in Kassel ein Genesungsheim für Arme als Stiftung finanziert.

Drei Bilder, ein Künstler: Die Gemälde von Lucas Cranach d.  Ä. gehören zu einem kleinen Flügelaltar aus dem Jahr 1509. Ludwig Mond hat ihn seiner Heimatstadt Kassel geschenkt. Repro: nh

Der heimischen Gemäldegalerie hat er Bilder von Lucas Cranach vermacht, die als Triptychon zu einem kleinen Reisealtar gehören.

Ludwig Mond hat zahlreiche Ehrendoktortitel bekommen. Nach ihm und seinen ebenfalls sehr spendablen Nachfolgern wurde ein Raum in der Londoner National Gallery benannt. In dem weltberühmten Kunstmuseum hängen 40 wertvolle Gemälde aus seiner Sammlung, darunter Werke von Tizian und Raffael.

In Kassel gab es am Wesertor eine Straße, die wenige Jahre nach seinem Tod an Ludwig Mond erinnerte. Die Nationalsozialisten machten das rückgängig. Erst nach dem Krieg wurde der bedeutende Chemiker und Unternehmer in seiner Heimatstadt wieder gewürdigt.

Von Thomas Siemon

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