Bewährungsstrafe und Freispruch für Angeklagte

Verschwinden von 3000 Handys bleibt ungeklärt

Begehrte Objekte: 3000 Handys im Wert von über 600 000 Euro verschwanden 2006 auf dem Transportweg. Wer sie unterschlagen hat, blieb vor Gericht ungeklärt. Foto: nh

Kassel. Auch nach dem gestrigen Urteil des Landgerichts bleibt offen, wer im Februar 2006 rund 3000 Mobiltelefone im Wert von über 600 000 Euro beiseitegeschafft hat. Die 3. Strafkammer verurteilte den 44-jährigen Angeklagten aus Calden wegen Beihilfe zu einer Bewährungsstrafe, der 59-jährige Mitangeklagte wurde freigesprochen.

In diesem Prozess blieben „viele Punkte offen“, gestand die Vorsitzende Richterin Dölle. Ein Grund ist die seit der Tat verstrichene Zeit. Die Anklage war bereits 2007 erhoben worden, seitdem harrte das Verfahren seiner Erledigung, eine „rechtsstaatswidrige Verzögerung“, musste Dölle einräumen. Das führt dazu, dass dem 44-Jährigen neun Monate seiner Strafe von 22 Monaten erlassen werden.

Trotz der dünnen Beweislage sah es das Gericht als erwiesen an, dass der 44-Jährige als Fahrer einer Kasseler Spedition dabei geholfen hat, die Ladung mit Handys verschwinden zu lassen. Er hatte sich damals auf den Weg nach Großbritannien begeben. In Belgien alarmierte er die Polizei, weil ihm auf einem Rastplatz - während er einen Kaffee trank - der Transporter samt Ladung gestohlen worden sei. Der Lkw wurde leer auf einem Parkplatz gefunden, eine Untersuchung ergab, dass er mit dem Originalschlüssel dorthin gefahren worden sein muss.

Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass der 44-Jährige an der Raststätte, an der der Lkw gestohlen worden sein soll, bereits ohne Fahrzeug war. Zwischen dem vorausgegangenen Stopp an einer Tankstelle und dem Halt an der Raststätte waren zwei Stunden verstrichen, obwohl die Strecke in der Hälfte der Zeit hätte zurückgelegt werden können. Zudem hatten die Überwachungskameras der Raststätte den Transporter nicht registriert. Der Darstellung des Angeklagten, er habe das Fahrzeug am Rande abgestellt, folgte das Gericht nicht.

In ihm sah das Gericht „eine Kernperson“, jedoch „keinen Mittäter“. Die anderen Beteiligten hätten ohne ihn nicht wissen können, wo sich der Lkw befand. Deshalb habe sich der 44-Jährige der Beihilfe zur veruntreuenden Unterschlagung schuldig gemacht. Dem 59-Jährigen hingegen konnte das Gericht nichts nachweisen. Sein Handy war zwar zum Tatzeitpunkt in Belgien geortet worden, doch „selbst wenn er dort gewesen sein sollte, können wir nicht sagen, was er gemacht hat“, so die Richterin.

Das Gericht folgte mit dem Freispruch dem Antrag von Anwalt Dieter Reinemann. Auch dessen Kollege Knuth Pfeiffer hatte für den 44-Jährigen Freispruch gefordert.

Doch die Richter sahen es anders. Wegen des hohen Schadens, einiger Vorstrafen und der Tatsache, dass zum Zeitpunkt der Tat noch ein anderes Strafverfahren im Gange war, wurde die Bewährungszeit für den 44-Jährigen auf fünf Jahre festgelegt, außerdem muss er 1500 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Staatsanwalt Dieter Wallbaum hatte für ihn dreieinhalb Jahre und für den 59-Jährigen 22 Monate gefordert.

Von Ralf Pasch

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