Wer versichert neues Heim?

Asylbewerber: Sparkassen-Versicherung kündigt Eigentümer wegen Brandschutz

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Idyllisch gelegen: Das Hotel Villa Seeberg wird zur Flüchtlingsunterkunft. Demnächst sollen Frauen mit Kindern aus Krisenländern in dem Haus an der Seebergstraße untergebracht werden.

Kassel. Die Einrichtung eines Flüchtlingsheims in der Villa Seeberg in Harleshausen wird vom Stadtteil wohlwollend aufgenommen (siehe unten). Ob wie geplant schon bald Asylbewerber einziehen können, steht allerdings plötzlich infrage.

Es gibt Probleme mit der Brandversicherung für das Gebäude. Die Sparkassen-Versicherung hat dem Eigentümer des Hotels, dem Kasseler Arzt und Psychotherapeuten Dr. Horst Bornhütter, die seit Jahren bestehende Gebäudeversicherung gekündigt. Wie berichtet, will die Stadt in dem Haus bis zu 25 Frauen und Kinder aus Krisenländern unterbringen.

Seit Jahren versichert

Bornhütter, der das Haus mit seiner Frau Johanna seit 1998 als kleines Hotel und Seminarhaus betreibt, kann nicht nachvollziehen, warum das bisherige Brandschutzkonzept nicht mehr anerkannt wird. Offenbar wolle niemand Flüchtlingsunterkünfte versichern, sagt er: „Vermutlich aus Angst, sie könnten angezündet werden oder die Bewohner könnten nicht mit Feuer umgehen - das spricht aber keiner aus.“ Die Sparkassen-Versicherung (SV) habe ihm zwar angeboten, einen anderen Versicherer zu vermitteln, sagt Bornhütter, allerdings zum vierfachen Preis.

Die Stadt hatte sich nach Bekanntwerden des Problems am Donnerstag und Freitag noch um Vermittlung bemüht - ohne Erfolg. Sozialdezernent Dr. Jürgen Barthel nannte den Rückzug der SV „ein ganz, ganz schlechtes Signal“. Von einer Versicherung, die im weiteren Sinne zu den kommunal getragenen Sparkassen gehöre, „erwarten wir schon, dass sie die Belange der Kommunen auch berücksichtigt“, sagte Barthel. Wie berichtet, steht die Stadt wegen der stark steigenden Flüchtlingszahlen unter Druck, schnell ausreichend angemessene Unterkünfte zu finden.

Die Weigerung der Versicherung steht auch dem Bestreben der Stadt entgegen, Flüchtlinge in kleineren Gebäuden über das Stadtgebiet verteilt unterzubringen. Viele dieser Immobilien sind in Privatbesitz. Die Eigentümer könnten durch Kündigungen oder saftige Erhöhungen der Gebäudeversicherung wohl abgeschreckt werden – wie Bornhütter, der grundsätzlich gern Flüchtlinge aufnehmen will. „Aber wenn ich keine Feuerversicherung bekomme, steht das Ganze auf der Kippe.“ Die Stadt hält allerdings weiterhin an der Immobilie fest und will mit Bornhütter nach einer Lösung suchen.

Auch im Landkreis sind schon Schwierigkeiten bei der Versicherung von Asylbewerberunterkünften aufgetreten. Bei der Umnutzung des Hotels Rosenhang in Vellmar musste der Eigentümer eine höhere Brandversicherung abschließen, sagt Sprecher Harald Kühlborn. Die Mehrkosten würden über die Nebenkosten vom Landkreis gezahlt. Sozialdezernent Barthel wollte gestern nichts dazu sagen, ob das auch in der Stadt infrage komme.

Von Katja Rudolph

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