Ex-Handball-Funktionär gibt an, pleite zu sein

Versicherungs-Betrug: Opfer gucken in die Röhre

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Kassel. Die Opfer der offenbar betrügerischen Machenschaften des früheren Vorsitzenden des Kasseler Handballvereins HSG Zwehren, Mario D., werden von dem Versicherungsvertreter wohl keinen Cent sehen.

Zwar hat Mario D. vor dem Zivilgericht im Grunde anerkannt, dass er Kunden betrogen hat, aber er hat inzwischen auch eine eidesstattliche Versicherung abgelegt: Er habe nichts, somit sei auch bei ihm nichts zu holen. Die Ermittlungen der Kasseler Staatsanwaltschaft gegen Mario D. gehen dessen ungeachtet weiter.

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Mittlerweile gebe es über 30 Opfer, heißt es. Es könnten jedoch noch weitere dazukommen. Der Schaden liege bei über einer Million Euro. Die DAS-Versicherung hatte den Schaden auf 1,4 Millionen Euro geschätzt. Zivilrechtlich gucken die Opfer von Mario D. nach dessen eidessattlicher Versicherung in die Röhre. Rechtsanwalt Thorsten Kulle, der etliche Opfer vertritt: „Das ist für meine Mandanten natürlich nicht erfreulich.“

Zwar hätten alle einen Titel gegen Mario D., könnten also bei ihm 30 Jahre lang vollstrecken lassen. Aber, so fürchtet der Anwalt: „Da wird wohl nichts zu holen sein.“ Rechtsanwalt Jörg Flashar, der ebenfalls Opfer von Mario D. vertritt, fragt: „Dass der Mann gar nichts mehr hat, ist schon erstaunlich. Wo sind denn über eine Million Euro geblieben?“‘

Anfand der Woche sollte ein Gerichtstermin gegen Mario D. stattfinden, in dem zivilrechtliche Ansprüche von Opfern geklärt werden sollten. Der Termin wurde aufgehoben, da Mario D. die Ansprüche im Grunde anerkannte - Geld von ihm sehen seine Opfer wegen der eidesstattlichen Versicherung dennoch nicht. Das erboste ehemalige Kunden von Mario D., die sich vor dem Gericht versammelt hatten.

Ein Mann erzählte, dass er Mario D. noch drei Tage, bevor er öffentlich aufflog, mehrere tausend Euro für eine angeblich sichere Anlage gegeben habe. Das Geld ist nun weg. Eine Frau berichtete, Mario D. sei nicht nur ein Sportkamerad gewesen, sondern auch in ihrer Familie ein- und ausgegangen. Um 50.000 Euro habe er die Familie betrogen.

Den Opfern bleibt die Hoffnung, dass die Ergo-Versicherung und deren Tochter DAS, für die Mario D. arbeitete, wenigstens einen Teil des Schadens regulieren. Dabei scheinen die Geprellten keine schlechten Karten zu haben. Denn nach verschiedenen Zeugenaussagen scheint es klar zu sein, dass Verantwortliche der DAS und Ergo schon seit geraumer Zeit wussten, dass Mario D. krumme Geschäfte machte.

So hatten Opfer der Versicherung gemeldet, dass Mario D. einfach ihre Namen ohne ihr Wissen in Policen eingetragen habe. Die Kunden hatten die Versicherungen nie abgeschlossen. Oder Mario D. kasierte Beiträge selbst, leitete sie aber nicht an die Versicherung weiter. Geld für Anlagen in Fonds floss nicht auf dafür vorgesehene Konten. Die Ergo-Versicherung hat sich inzwischen von Mario D. getrennt und ihn ebenfalls angezeigt. (tho)

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