Verspätete Züge am Bahnhof Wilhelmshöhe - Bibbern ohne Wartesaal

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Kassel. Schnee und Eis sorgen nach wie vor für teilweise erhebliche Verspätungen im Fernverkehr der Bahn. Am Bahnhof Wilhelmshöhe müssen die Fahrgäste bis zu 90 Minuten warten.

Es gibt erneut Kritik daran, dass die Bahn keinen beheizten Wartesaal anbietet. Dort, wo der früher war, ist heute ein Schnellimbiss.

Besserung ist nicht in Sicht. Die Bahn verweist darauf, dass es auch an anderen Bahnhöfen keine Wartesäle mehr gibt. Stattdessen könne man sich in der Gastronomie aufwärmen.

Reportage vom Bahnhof Wilhelmshöhe:

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Immer wieder ertönt im Bahnhof Wilhelmshöhe das Ding Dong, das eine Ansage ankündigt. Es geht Schlag auf Schlag: 25 Minuten Verspätung wegen einer Störung am Triebfahrzeug, 45 Verspätung wegen eines Notarzteinsatzes am Bahnsteig, 90 Minuten wegen einer technischen Störung. Die Ansagen nehmen kein Ende und bei den Wartenden am Querbahnsteig geht der bange Blick immer wieder hinauf zur Anzeigentafel.

Auch ohne technische Störungen gibt es derzeit Verspätungen. Die ICE-Züge durften gestern nicht schneller als 200 Kilometer pro Stunde fahren, am Donnerstag lag die Höchstgeschwindigkeit nur bei Tempo 160. Durch die geringere Geschwindigkeit wird laut Bahn verhindert, dass von der Wagenunterseite herabfallende Eisklumpen Schottersteine hochwirbeln und für Schäden an den Fahrzeugen sorgen.

den Fahrzeugen sorgen. Es ist Winter, es ist kalt, und die Bahn hat große Probleme. Nicht nur in Kassel. Aber hier ärgern sich viele Menschen besonders, weil es keinen Wartesaal mehr gibt. Wo der früher einmal war, kann man sich heute Pommes und Cheeseburger kaufen. Viel wärmer wird einem davon auch nicht.

Einen Wartesaal finde man an anderen vergleichbaren Bahnhöfen auch nicht mehr, sagt Bernd Hohnerkamp, Pressesprecher der Bahn AG in Frankfurt. Er verweist auf die Gastronomie im Bahnhof. Dort ist in der Tat einiges los. Doch wie soll man die Wartezeit überbrücken, wenn man kein Geld für einen Kaffee oder ein belegtes Brötchen ausgeben will? Es gebe ja auch noch Sitzmöglichkeiten am Querbahnsteig.

erbahnsteig. Wer hier einen der wenigen Plätze ergattert hat, bleibt bestimmt nicht lange sitzen. Dafür ist es einfach zu kalt und zugig. „Es gibt hier nirgends einen warmen Platz, das ist einfach ärgerlich“, sagt Timo Knapp (25). Er will mit seiner Freundin nach Berlin und ist froh, dass der Zug nur 30 Minuten Verspätung hat. So lange halten sich die beiden gegenseitig warm.

Dass es auch anders geht, beweist die Bahn am Frankfurter Hauptbahnhof. Dort können sich die Resienden in einer komfortablen Lounge aufwärmen, die an den Eingangsbereich zu einem Hotel erinnert. Der Nachteil: Die ist nur für Reisende der 1. Klasse vorgesehen.

Am Bahnhof Wilhelmshöhe bleiben selbst diese Kunden der Bahn außen vor. Dabei gibt es auch hier Räume, in denen man sich kostenlos aufwärmen kann: Im Obergeschoss bei der Bahnhofsmission.

Zum Wochenende soll es wärmer werden, die Bahn hofft, dass sich dadurch die Lage etwas entspannt. Das wäre dann eine Atempause vor der Hauptreisezeit über die Weihnachtsfeiertage. Ob die Züge dann ohne große Verspätungen fahren? Garantieren könne man das nicht, sagt ein Sprecher der Bahn, das hänge vom Wetter ab.

Von Thomas Siemon

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