GIOS-Vorsitzende befürchtet, dass mehr Patienten sterben

Nach Organskandal: Vertrauen ist erschüttert

Haben künftig weniger Menschen einen Organspendeausweis? Das befürchtet Gisela Schäfer, Vorsitzende der Gemeinnützigen Interessengemeinschaft für OrganSpende (GIOS). Foto:  dpa

Hofgeismar. Der Göttinger Organskandal hat die Bereitschaft zur Organspende in der Bevölkerung auf einen Tiefpunkt sinken lassen. Davon ist Gisela Schäfer, Vorsitzende der Gemeinnützigen Interessengemeinschaft für OrganSpende (GIOS) überzeugt.

Die drohende Folge sei, dass mehr Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, sterben müssten, sagt Schäfer.

Gisela Schäfer

Schon heute würden täglich drei Menschen sterben, die auf der Warteliste für eine Organtransplantation stehen, sagt Gisela Schäfer. Dabei seien die Patienten noch nicht mitgezählt, die von Ärzten wieder von der Warteliste genommen worden seien, weil keine Aussicht auf Erfolg und Heilung mehr besteht. Diese Problematik werde der Organskandal noch verschärfen, ahnt die GIOS-Vorsitzende, deren Verein die Interessen von Transplantierten, Patienten und Spendern in Nordhessen, Südniedersachsen und Ostwestfalen vertritt.

Auch sie habe in den vergangenen Tagen bei Veranstaltungen die vielfach geäußerte Meinung gehört: „Da sehen Sie, wer viel Geld bezahlt, bekommt auch eine Transplantation.“ In dem Vertrauen, dass genau dies in Deutschland nicht passiere und kein Organhandel stattfinde, „bin ich nun selber schwer erschüttert“, sagt Schäfer. „Ich habe mir nicht vorstellen können, dass ein Arzt, der einen Eid geschworen hat, so handelt.“

Davon, dass nur ein einziger in den Fall verwickelt ist, geht die GIOS-Vorsitzende nicht aus. Denn vor einer Transplantation seien mehrere rechtliche, logistische und labormedizinische Regeln zu erfüllen. „Dieses komplexe System auszutricksen, schafft einer allein nicht.“ Doch trotz des Vertrauensverlustes muss die lebensrettende Arbeit weitergehen, so Schäfer. Deshalb nimmt sie heute auf Einladung der Göttinger Uni-Klinik an einer Besprechung teil. „Dabei geht es um Schadensbegrenzung“, sagt sie.

Von Gerd Henke

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