Im Rathaus soll der Anteil der Mitarbeiter mit Migrationshintergrund auch auf 35 Prozent ansteigen

Die Verwaltung will ein Vorbild sein

Katrin Rottkamp

Kassel. „Migranten sind nicht gleich Migranten“, sagt Katrin Rottkamp. Es gebe große Unterschiede zwischen den verschiedenen Menschen, die in Kassel leben und ausländische Wurzeln haben. Genauso wie sie oder ihre Familien aus unterschiedlichen Ländern stammen, gehörten sie auch verschiedenen Milieus an.

Besonders Menschen aus bildungsfernen Milieus soll mit dem neuen Integrationskonzept, über das die Stadtverordnetenversammlung Ende Februar zu entscheiden hat, geholfen werden. Wichtiger Bestandteil des Konzepts sind die Bildung und Sprachförderung. Für Kinder, die in ihren Familien erst sehr spät die deutsche Sprache lernten, sei es sehr schwer, sich später im Schulsystem zurechtzufinden. Von daher sei es sehr wichtig, dass sich alle Kinder bereits in der Kita einen großen Sprach- und Wortschatz aneigneten. Deshalb werde in allen kommunalen Kitas bereits Sprachförderung angeboten, sagt die Integrationsbeauftragte. In den Waldauer Kindertagesstätten werde das sogenannte Leuchtturmprojekt zudem wissenschaftlich begleitet.

100 haben mitgearbeitet

An dem neuen Konzept wurde seit November 2010 im Zukunftsbüro der Stadt Kassel gearbeitet. Über 100 Vertreter aus Stadt und Verwaltung hätten an den verschiedenen Themenfeldern mitgearbeitet, sagt Rottkamp. Sie unterstreicht die enge Zusammenarbeit mit dem Ausländerbeirat. In Kassel wurde übrigens 1981 hessenweit der erste Ausländerbeirat eingerichtet.

Das kommunale Integrationsprogramm aus dem Jahr 2004 habe nur Absichtserklärungen formuliert, sagt die Integrationsbeauftragte. Das aktuelle Konzept sei hingegen mit „konkreten Maßnahmen“ verbunden.

Und wie sieht es mit der Finanzierung dafür aus? Im Rahmen des Haushalts 2013 müssten die Dezernenten über diese Finanzmittel verhandeln, sagt Manfred Merz, Büroleiter des Oberbürgermeisters. Katrin Rottkamp verweist auf die Dritt- und Fördermittel, die es in diesem Bereich gibt. Als Beispiel nennt sie das bundesweite Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung“, an dem die Stadt Kassel bereits teilnimmt.

Zudem weist sie auf die vielen Projekte in den Stadtteilen wie zum Beispiel Rothenditmold oder Oberzwehren hin, die es für Migranten gibt. Man dürfe auch nicht vergessen, dass es 20 verschiedene Migrationsorganisationen in Kassel gibt, die sehr aktiv seien. „Die sind nur nicht so strukturiert wie deutsche Vereine“, sagt Rottkamp.

„Der Anteil der städtischen Azubis mit Migrationshintergrund liegt bereits über zwölf Prozent.“

Katrin Rottkamp

Die städtische Verwaltung will zudem Vorbild bei dem Integrationskonzept werden. Ziel sei es, den Anteil der Mitarbeiter im Rathaus auf annähernd den Bevölkerungsanteil der Migranten in der Stadt, also 35 Prozent, zu bringen. Ein Anfang ist gemacht. „Der Anteil der städtischen Azubis mit Migrationshintergrund liegt bereits über zwölf Prozent“, sagt Rottkamp. Foto:  Koch

Weitere Infos zur Statistik der Stadt Kassel finden Sie unter www.stadt-kassel.de

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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