Risse und Verschiebungen im Gelände

Verwerfungen am Erdwall hinter Lärmschutzbau an der A44

Kassel. Meter tiefe Erdspalten, geologische Verwerfungen, weitflächige Verschiebungen und Absenkungen sowie Feldwege, die ins Nirgendwo führen: Das Gelände in Nordshausen, wo zurzeit als Lärmschutz zur A 44 ein 20 Meter hoher und 700 Meter langer Erdwall entsteht, sieht aus wie nach einem Erdbeben.

Auf dem kommunalen Brachland am südwestlichen Rand von Nordshausen finden seit fünf Jahren umfangreiche Erdarbeiten statt. Sogar ein Teil des Heisebachs wurde hierfür umgeleitet. Bis 2016 sollen insgesamt 1,6 Millionen Tonnen Erde und Bauschutt aufgetürmt und verfestigt worden sein. Ziel ist es, die Bewohner von Nordshausen vor dem Lärm der Autobahn zu schützen.

Mit den Bauarbeiten beschäftigt ist im Auftrag der Stadt die Kasseler Firma Baureka. Der „Kasseler Erdwall“ wird von dem Unternehmen im Internet als „Vorzeigeprojekt“ angepriesen. Zu den Verwerfungen wollte sich gestern von Baureka niemand äußern.

Auch von der Stadt Kassel wird dem Schaden offenbar nicht viel Bedeutung beigemessen. „Der Erdwall ist nicht unser Erdwall, sondern der der Betreiberfirma“, sagt Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich auf HNA-Anfrage. Im September seien erste Hinweise auf die Erdverwerfungen im Rathaus eingegangen. Gestern habe man einen Brief an die Firma Baureka abgeschickt und die Bauherren aufgefordert, darzulegen, was da passiert sei. Grundsätzlich hafte der Betreiber. Allerdings seien bis jetzt für die Stadt keine Schäden entstanden. In unregelmäßigen Abständen werde der Fortgang der Arbeiten von Mitarbeitern des Umwelt- und Gartenamts kontrolliert, obwohl, so betont Happel-Emrich, „wir dazu nicht verpflichtet sind“.

Fotos von den Verwerfungen

Löcher im Boden am Erdwall

Für das bloße Auge sichtbar ist ein Terrain von der Größe von zwei Fußballfeldern von den Verwerfungen betroffen. Das hatte auch der Ortsbeirat Nordshausen vor Wochen moniert. Spaziergänger waren auf die Risse im Boden aufmerksam geworden und hatten sich beunruhigt gemeldet. „Es sollte möglichst schnell geklärt werden, wie es zu den Verwerfungen gekommen ist“, sagt Michael Plätzer (SPD), der Ortsvorsteher von Nordshausen. Auf jeden Fall müsse etwas dagegen unternommen werden, bevor die südlich gelegene Bahnlinie in Richtung VW-Werk, die ehemalige Naumburger Kleinbahn, in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Oder gar die Autobahn.

Von Christina Hein

Rubriklistenbild: © Koch

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