100 Gräber umgepflügt – Elektrozaun soll schützen

Wildschweine wüten auf Westfriedhof in Kassel

Nach der Verwüstung durch Wildschweine kümmert sich Dorothea Dorn (Friedhofsgärtnerei Wennmacher) um ein Grab auf dem Westfriedhof.
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Nach der Verwüstung durch Wildschweine kümmert sich Dorothea Dorn (Friedhofsgärtnerei Wennmacher) um ein Grab auf dem Westfriedhof.

Verwüstung auf dem Kasseler Westfriedhof: Wildschweine haben in den Nächten zu Mittwoch und Donnerstag dort rund 100 Gräber umgepflügt.

Kassel - Schon vor eineinhalb Wochen habe es einen Vorfall gegeben, da hätten sie aber nur die Wiese auf dem Friedhof an der Heinrich-Schütz-Allee aufgebrochen, so Eckehart Göritz, Leiter der Friedhofsverwaltung.

Jetzt habe sich bewahrheitet, was man seit 2018 bereits befürchtet habe, so Göritz: dass die Wildschweine von der Dönche aus das Friedhofsgelände für sich entdecken. Aus anderen Städten wie Berlin sind solche Vorfälle bekannt, in Kassel ist es aber ein Novum, dass Wildschweine auf einem Friedhof wüten.

„Die Gräber haben eine schöne Bepflanzung, das schmeckt den Wildschweinen lecker. Zudem gibt es eine Eichelmast“, sagt Göring. Die Wildschweine pflügten den Boden, um an Engerlinge und Würmer zu gelangen. Die Löcher, die sie hinterließen, seien 50 bis 60 Zentimeter tief. Es bestehe keine Gefahr, dass die Tiere Urnen oder gar Särge freilegen würden, sagt Göring.

Nichtsdestotrotz will die Friedhofsverwaltung umgehend reagieren. Der Westfriedhof sei zwar in großen Teilen einfach umzäunt, es gebe allerdings Unterbrechungen. Deshalb stelle man jetzt einen Elektrozaun rund um den Friedhof auf.

Ein Elektrozaun sei eine gute Variante, sagt Forstamtsleiter Uwe Zindel. Damit habe man gute Erfahrungen am Golfclub Kassel-Wilhelmshöhe gemacht. Eigentlich sei der Bestand der Wildschweine durch die Jagd zurückgegangen. Allerdings sei es ein Problem, wenn eine Rotte sich in der Dönche aufhalte. Da die Dönche ein innerstädtischer Bereich sei, könne man dort aus Sicherheitsgründen keine Treibjagden veranstalten, so Zindel. Um die Population zu reduzieren, würden in den Morgenstunden jetzt verstärkt einzelne Jäger dort ansitzen.

Friedhofsbesucher müssten keine Angst vor den Wildschweinen haben, so Zindel. „Die kommen nur nachts und weichen den Menschen aus. Wildschweine werden nur gefährlich, wenn sie gefrischt haben und ihren Nachwuchs schützen. Das passiert aber erst im Frühjahr.“ (Ulrike Pflüger-Scherb)

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