Sportstudio wartet seit Monaten auf Telefon- und Internetanschluss

Verzweifelt in der Warteschleife

+
Alles nagelneu, nur beim Telefonanschluss klemmte es: Michael Berge, der das Studio Carpe Diem an der Kunoldstraße leitet, hält die provisorische Verbindung vom Nachbarbüro in der Hand.

Kassel. Wie oft sie schon von der Telekom vertröstet worden sind, wissen Michael und Susanne Berge nicht. Sie versuchen, sich nicht aufzuregen. „Wir nehmen das einfach nur noch zur Kenntnis, es hilft ja doch nichts“, sagt Michael Berge.

Zusammen mit seiner Frau hat er in den ehemaligen Räumen der Drogerie Schlecker an der Kunoldstraße (Bad Wilhelmshöhe) das Fitnessstudio „Carpe Diem“ eröffnet.

Vor zwei Monaten haben sie einen Telefonanschluss mit Internetzugang beantragt. Auf den warteten sie bis Anfang der Woche immer noch. Nur durch eine Behelfskonstruktion mit einem 30 Meter langen Kabel aus benachbarten Büroräumen und einer Rufumleitung auf das Handy können sie überhaupt arbeiten.

„Wenn man so eine Geschichte im Fernsehen sieht, glaubt man es nicht“, sagt Michael Berge, der 25 Jahre lang ein Studio in Fuldatal-Ihringshausen betrieben hat. Dabei habe in Kassel alles ganz vielversprechend begonnen. Anfang Januar war der Umbau der ehemaligen Drogerie fast abgeschlossen. Ein Mitarbeiter der Telekom sei auf der Baustelle aufgetaucht und habe nach telefonischer Rücksprache mitgeteilt, dass dem Telefonanschluss nichts mehr im Wege stehe. Der Rest sei jetzt Sache von Vodafone.

Damit begann ein Pingpong-Spiel, das sich über Monate hinzog. Denn angeblich gab es dann doch eine Bruchstelle des Kabels im Haus. So sei der Anschluss nicht möglich. Immer wieder versuchte Susanne Berge, telefonisch einen Ansprechpartner zu bekommen. „Bisher waren das 60 bis 70 Anläufe“, sagt sie. Stundenlang hing sie in der Warteschleife und immer wieder meldeten sich neue Ansprechpartner einer Hotline. Doch endlich gab es einen Hoffnungsschimmer. „Sind Sie die nächsten sechs Stunden erreichbar? Dann kommt jemand“, wurde ihr von einer Telekom-Mitarbeiterin am Handy zugesichert. Das war nachmittags.

„Ich hätte auch bis Mitternacht und noch länger gewartet“, sagt Susanne Berge. Als sie um 22 Uhr nachfragte, ob denn noch jemand komme, hatte sie wieder die Hotline dran und erntete völliges Unverständnis. Erstens würden am Telefon keine Termine vergeben und schon gar nicht bis 22 Uhr, ließ man sie wissen.

Als dann Tage später doch noch ein Elektriker auftauchte, durfte der zwar das Kabel reparieren, aber nicht den Internetanschluss herstellen.

Michael Berge hat viel Geld für die moderne Ausstattung des Studios mit Fitnessgeräten ausgegeben. Deren Einstellung funktioniert ebenfalls über das Internet.

Gutes Ende?

Wie lange er denn noch auf einen eigenen Anschluss warten müsse, hat die HNA bei der Telekom nachgefragt. „Den konkreten Fall müssen wir erst mal recherchieren“, so ein Sprecher. Zufall oder nicht - kurze Zeit nach dem Anruf tauchte dann doch noch ein Techniker der Telekom im Studio der Berges auf. Der habe sich sehr viel Mühe gegeben, sagt Susanne Berge.

Am Montag war dann auch noch ein Mitarbeiter von Vodafone da und tauschte ein Kabel aus. „Es scheint jetzt endlich alles zu funktionieren, ich bin total glücklich“, sagt Susanne Berge.

Von Thomas Siemon

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.