Den kennt man doch: Kasseler arbeitet seit 22 Jahren bei Fielmann

Er fällt auf: Victor Shyra sagt über sich, er sei eine Prinzessin 

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Arbeitet am Kasseler Opernplatz: Victor Shyra ist Augenoptiker bei Fielmann.

Kassel. Victor Shyra polarisiert, aber das ist ihm egal. Der Homosexuelle organisiert den Kasseler Christopher Street Day und fällt nicht nur als Optiker auf.

Wenn Victor Shyra in der Kasseler Innenstadt etwas zu erledigen hat, dann bekommt das jeder mit: Er geht schließlich nicht, er fährt oft auf seinem Skateboard zu seinem Arbeitsplatz – seit 22 Jahren die Fielmann-Filiale am Opernplatz.

Aber nicht nur das ist auffällig: Shyra trägt Sakkos mit ungewöhnlichen Mustern oder in ausgefallenen Farben. Die Krawatte perfekt abgestimmt.

Und damit das auch geklärt ist: „Dass ich eine kleine Prinzessin bin, das riecht man doch schon zehn Meter gegen den Wind“, sagt der 48-Jährige und lacht. „Ich stehe dazu und wer damit nicht umgehen kann, der hat eben Pech gehabt“, sagt er. „Ich muss mir mein Leben nicht erlauben lassen.“

Shyra ist eine Wucht. Jeder, der ihn trifft, merkt das sofort. Der gebürtige Bad Hersfelder redet gerne und viel, was andere darüber denken, ist ihm egal. Auch im Gespräch ist er nicht zu stoppen. Immer fällt ihm etwas Neues ein. Von seinem ausgefallenen Anzug geht es über eine anstehende Reise nach Spanien, seine liebsten Orte in Kassel und am Ende weiß man auch, dass er mal bei McDonalds Burger zubereitet hat.

Mit seinem losen Mundwerk kommen allerdings nicht alle Kunden des Augenoptikers klar. „Das ist dann eben so“, sagt er. „Ich lege meine Persönlichkeit nicht vor der Ladentür ab“, sagt der Verkaufsleiter der Fielmann-Filiale am Opernplatz. Shyra findet es gut, wenn Menschen polarisieren –und auch er selbst polarisiert.

An den Humor in Nordhessen habe er sich aber erst mal gewöhnen müssen. In Kassel ist man eher nüchtern und sachlich unterwegs, so Shyras Erfahrung. Das merkt er auch in seinem Arbeitsalltag als Augenoptiker. Da falle man eben auf, wenn man wie er aus der großen Masse raussteche.

Für Shyra, der in Kassel auch den Christopher Street Day mitorganisiert, war bereits früh klar, dass er anders ist. „Mit dem Schwulsein hatte ich nie ein Problem“, sagt er. Geoutet hat er sich bereits als Jugendlicher. Einige Mitschüler riefen ihm „Schwuchtel“ hinterher. „Mir egal – da stehe ich drüber“, sagt Shyra.

Skateboard fährt Victor Shyra seit er ein kleiner Junge ist. Mit sechs Jahren hat er sich sein erstes Skateboard selbst gebaut – mit einem Rollschuh und einem Holzbrett. Dann ist er auf Rollschuhe umgestiegen. Aber ganz wichtig: Die mit den Stoppern vorne. „Ich vergöttere die noch immer“, sagt er.

Seit 1994 lebt der heute 48-Jährige in Kassel. Eigentlich habe er immer in die großen Städte gewollt, erzählt Shyra. Kassel sei es dann eigentlich eher zufällig geworden. Als Kind habe er die Stadt gehasst, wenn er mit seinen Eltern dort gewesen sei. Aber mittlerweile habe er Kassel lieben und schätzen gelernt. Ganz besonders mag er die Karlsaue.

An seinem Job schätzt Victor Shyra vor allem den Kontakt zu vielen unterschiedlichen Menschen. Gelegentlich vergleicht er seinen Arbeitsplatz mit der Atmosphäre in einem Freizeitpark. „Manchmal fühle ich mich wie in Disneyland“, sagt Shyra. Wenn man in der Schlange stehe und dann bei dem Schild angekommen sei, ab dem die Wartezeit immer noch 30 Minuten betrage. Aber Shyra liebt diese gewisse Hektik in seinem Alltag. „Ohne geht es nicht“, sagt er.

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