Methode Marte Meo

Wiki-Kinderhaus in Kassel: Die Videokamera gehört zum Kita-Alltag

In vielen Alltagssituation ist die Kamera dabei: Erzieherin und Gruppenleiterin Alena Göbel (links) mit dem 16 Monate alten Lias und Mutter Shari Schmuch.
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In vielen Alltagssituation ist die Kamera dabei: Erzieherin und Gruppenleiterin Alena Göbel (links) mit dem 16 Monate alten Lias und Mutter Shari Schmuch.

Als die Mutter Shari Schmuch aus Kassel zum ersten Mal hörte, dass in der Kita ihrer Kinder nun gefilmt wird, war sie zunächst irritiert. Doch als sie die videogestützte Methode kennenlernte, war sie überzeugt.

Kassel - Als erster Kasseler Kindergarten wurde das Win-tershall Dea Kinderhaus (Wiki) auf der Marbachshöhe als Marte-Meo-Einrichtung zertifiziert.

Aber was steckt dahinter? Und was halten Eltern und Erzieher davon, dass immer wieder kurze Sequenzen aus dem Alltag in der Kita aufgezeichnet werden?

Marte Meo ist keine neue Erfindung. Ende der 70er-Jahre wurde die Methode von der Niederländerin Maria Aarts entwickelt. Inzwischen ist deren Institut in 37 Ländern aktiv und bietet Aus- und Fortbildungen in der videogestützten Erziehungsberatung an. Erzieherin Gabriele Hirdes aus Vellmar hat sich in den Niederlanden ausbilden lassen und die Methode nach Kassel gebracht.

Hirdes ist Überzeugungstäterin und arbeitet inzwischen als Marte-Meo-Supervisorin im Wiki-Kinderhaus, die im Auftrag des Kasseler Gas- und Ölförderers von Impuls Soziales Management betrieben wird. Dort hat sie die Methode eingeführt und bildet inzwischen Erzieherinnen und Erzieher darin aus.

Das Prinzip ist einfach erklärt. Mit einer Videokamera werden alltägliche Kita-Situationen gefilmt und anschließend mit den Kollegen ausgewertet. Eltern müssen für die Aufnahmen ihr Einverständnis geben. „Das Augenmerk liegt auf der Interaktion. Es handelt sich nicht um eine klassische Videoanalyse, bei der Konflikte, Schwächen und Fehler thematisiert werden“, sagt Hirdes. Stattdessen gehe es um die positive Bestärkung des Verhaltens. Stärken der Kinder und Erzieher sollten sichtbar gemacht und die Eigeninitiative der Kinder gestärkt werden. So bedeutet Marte Meo aus dem Lateinischen abgeleitet auch „aus eigener Kraft“.

„Grundelemente der Methode sind Warten, Folgen, Benennen“, zählt Hirdes auf. Das bedeutet, das Kita-Personal wartet zunächst auf eine Eigeninitiative des Kindes und übergeht diese nicht, etwa mit eigenen Spielideen. Sobald das Kind deutlich gemacht hat, was es will, gehen die Erzieherinnen und Erzieher darauf ein. Ein Beispiel: Das Kind greift zum Ball und die Erzieherin sagt: „Ahh, du nimmst dir einen Ball. Willst du ihn mir zuwerfen?“.

Im Prinzip würden viele genau so intuitiv handeln. Insofern gehe es darum, diese „intuitiven Reflexe“ bei der Videoauswertung zu stärken. Dies beschränke sich nicht nur auf die Handlungen. Auch Mimik und Gestik seien wichtig: „Ein freundliches Gesicht und eine hohe Stimmlage sorgen für den Beziehungsaufbau“, so Hirdes. Eine verunsichert schauende Mutter oder Erzieherin könnte das Kind verunsichern.

Auch die Eltern sind Teil von Marte Meo. So wird auf freiwilliger Basis angeboten, die Eingewöhnungsphase der Kinder, bei der auch die Eltern noch anwesend sind, zu filmen und anschließend auszuwerten. „Es ist ein Angebot, kein Muss. Aber die meisten nutzen das“, sagt Hirdes.

Mutter Shari Schmuch ist überzeugt vom Nutzen. „Es war erstmal ungewohnt. Aber der Verwendungszweck der Videos ist klar definiert. Mir gefällt der respektvolle Umgang mit den Kindern“, so die Mutter. Auch Erzieherin Alena Göbel hatte anfangs Bedenken: „Ich dachte, jetzt werde ich beobachtet. Hoffentlich mache ich alles richtig.“ Inzwischen hat sie aber kein Problem damit, sich bei ihrer Arbeit im Wiki-Kinderhaus filmen zu lassen. Im Gegenteil: „Wir Erzieher bekommen durch Marte Meo viel Bestätigung.“

Hirdes will die Methode in weiteren Einrichtungen etablieren. Dazu gibt sie externe Kurse, etwa im Kasseler Fröbelseminar. (Bastian Ludwig)

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