Wachmann sagte vor Landgericht aus

VW-Prozess: Videoüberwachung erst nach Diebstählen

Kassel. Die Sicherheit in der VW-Abteilung für das Recycling von Katalysatoren war bis zu einem Diebstahl von etwa elf Tonnen edelmetallhaltigen Staubes eher lax behandelt worden.

Das berichtete am Montag ein Mitarbeiter des VW-Werkschutzes als Zeuge in dem Prozess um Diebstähle bei VW.

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Die acht Angeklagten müssen sich vor dem Kasseler Landgericht wegen des Diebstahls von „Monolithenbruch“ im Wert von rund 900.000 Euro verantworten. Zwei ehemalige Mitarbeiter der Recycling-Abteilung hatten beim Prozessauftakt gestanden, dass sie das wertvolle Material ohne größere Schwierigkeiten aus dem Kasseler Werk geschafft hatten, zunächst im Auftrag eines Kollegen, später auf eigene Faust. Ihre Helfer sowie zwei Mitarbeiter eines Recycling-Unternehmens aus Niedersachsen, die Diebesgut abgenommen haben sollen, sitzen mit auf der Anklagebank.

Das Verfahren gegen einen der beiden Haupttäter wurde am Montag abgetrennt, weil sein Anwalt erkrankt ist, darüber wird nun separat verhandelt.

Dass es in der Recycling-Abteilung vor dem Diebstahl ein Sicherheitskonzept gegeben habe, davon wusste der Werkschutzmitarbeiter nach eigenen Angabe nichts.

Eine Videoüberwachung zum Beispiel sei erst hinterher eingeführt worden. Es habe auf dem Henschel-Gelände einen eigenen Wachdienst gegeben, an der Pforte habe man sich anmelden müssen, das seien schon fast alle Vorkehrungen gewesen. „Ich wusste gar nicht, was dort passiert“, gestand der Werkschutzmitarbeiter. Das Werk sei eine „ausgelagerte Betriebsstätte“ und die Mitarbeiter keine VW-Beschäftigten. Bis vor einigen Jahren habe das Katalysatoren-Recycling bei VW als unwirtschaftlich gegolten, mit den gestiegenen Rohstoffpreisen habe sich das geändert. Nach dem Diebstahl, um den es jetzt vor dem Landgericht geht, seien weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, über Details wollte sich der Mitarbeiter nicht äußern.

Fast beiläufig war er auf den Diebstahl aufmerksam geworden: Ein Mitarbeiter, der mit seinem Gabelstapler innerhalb kurzer Zeit mehrmals Schaden angerichtet hatte, beschwerte sich, dass er wegen einer Lappalie bestraft werde, während andere, die viel mehr Dreck am Stecken hätten, nicht zur Rechenschaft gezogen würden.

Das machte den Werkschutzmann hellhörig. Ein weiteres Indiz dafür, dass es in der Recycling-Abteilung nicht mit rechten Dingen zugehen konnte: Einige Mitarbeiter, die mit einem eher schmalen Verdienst auskommen müssen, hätten mehrere Autos und Motorräder gefahren und sich damit im Internet gebrüstet. VW schaltete die Polizei ein, die hörte Telefonate ab, bei einer Lieferung von gestohlenem Material griffen die Beamten zu.

Fast alle geständig

Fast alle Angeklagten räumten am ersten Verhandlungstag die Diebstähle oder die Beteiligung daran ein, lediglich der Geschäftsführer und der Einkaufsleiter der niedersächsischen Recyclingfirma schwiegen. Am Montag redete der Einkaufsleiter dann doch und erklärte, er habe zwar Lieferungen angenommen, jedoch nicht gewusst, woher das Material kommt.

Am Mittwoch, 7. November, wird der Prozess vor dem Kasseler Landgericht fortgesetzt.

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