Die Arbeit eines Privatdetektivs ist weniger spektakulär als im Fernsehen

Viel Geduld statt Action

Auf Beobachtungsposten: Ein Detektiv muss oft stundenlang warten, bis die Observation erfolgreich ist. Unser Foto zeigt einen Mitarbeiter der Kasseler Detektei Protex, der wegen seiner heiklen Aufträge namentlich nicht genannt werden darf. Fotos: Koch

Kassel. Im Fernsehen jagt Privatdetektiv Josef Matula die Ganoven manchmal auf sehr ruppige Art und Weise. Auch etliche Autos musste der Schauspieler Klaus-Theo Gärtner dabei zu Schrott fahren. Was im Fernsehen für Spannung sorgt, findet aber im normalen Detektivleben gar nicht statt. „Der Hauptbestandteil ist Warten - ob im Auto oder am Schreibtisch“, sagt Engin Akbag. Der 40-Jährige ist Präsident des Bundes Internationaler Detektive (BID), dessen Mitglieder sich am Wochenende zum 50. Verbandsgeburtstag in Kassel trafen.

Mit Action jedenfalls komme kein privater Ermittler weit, sagt Akbag, der in Kassel eine Detektei und einen Sicherheitsdienst mit über 300 Beschäftigten unter dem Namen Protex führt. Es sind auch die Zeiten vorbei, in der die gehörnte Ehefrau ihren Gatten von einem privaten Ermittler beschatten lässt. Seitdem das eheliche Schuldprinzip im Gesetz ausgedient hat, kämen solche Fälle seltener vor. Dafür sei die Zahl an Aufträgen gestiegen, bei denen es um die Unterhaltspflicht geht.

Akbag hat sich auf Wirtschaftskriminalität spezialisiert. Unternehmen, die einen Mitarbeiter eines Vergehens verdächtigen, wenden sich an ihn. Das reicht von Spesenbetrug eines Außendienstmitarbeiters über den leitenden Angestellten, der Firmengeheimnisse ausplaudert, bis zu Beschäftigten, die ohne wirklich krank zu sein der Arbeit fernbleiben.

„Die Unternehmen setzen deswegen private Ermittler ein, um den Imageschaden so gering wie möglich zu halten“, sagt Akbag. Das lassen sich die Auftraggeber auch etwas kosten: Der Stundenlohn beträgt je nach Fall 50 bis 200 Euro. Die Ergebnisse aus Internetrecherche, Beobachtungen, Fotos und Filmen müssen gerichtsverwertbar sein. Das ist nicht immer einfach. Vor allem benötige deswegen ein seriös arbeitender Detektiv viele juristische Kenntnisse, sagt Akbag. Und er müsse vorab klären, ob beim Auftraggeber ein berechtigtes Interesse bestehe. „Wir wollen auf gar keinen Fall für einen Stalker die Vorarbeit leisten“, sagt der gebürtige Kasseler.

Akbags Unternehmen arbeitet weltweit und ist Teil eines gut funktionierenden Netzwerks. „Von der guten Zusammenarbeit im BID profitieren wir alle“, sagt Akbag. ARTIKEL LINKS

Von Beate Eder

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