Merian-Artikel: Viel Geld für negative Werbung – Was wird im Kassel-Heft stehen?

Kassel. Ende Mai erscheint ein Merian-Heft über Kassel. Welches Urteil wird darin über die Stadt gefällt? Die Frage scheint nach den Erfahrungen des Landes Hessen mit dem Reisemagazin, das im Jahreszeitenverlag erscheint, nicht unberechtigt zu sein.

Die Hessenagentur, verantwortlich für den Tourismus im Land, hatte das Heft mit einer sechsstelligen Summe gesponsert. Dieser Zuschuss zu den Produktionskosten senkt das wirtschaftliche Risiko des Verlages. Der Sponsor kann seine Kosten verringern, indem er Anzeigen für das Heft verkauft, und erhofft sich natürlich Werbung.

In dem Merian-Heft erschien ein Artikel, der den Bau der A 44 heftig kritisierte und alle Argumente pro Autobahn wegließ. Für Insider war das keine Überraschung. Denn Jahreszeiten-Verleger Thomas Ganske gehört im Ringgau das noble Hotel Hohenhaus mit Sterneküche und 1000 Hektar Wald. Ganske, der auch den BUND bei seinen Klagen gegen die A 44 unterstützen soll, möchte offensichtlich nicht, dass seine Gäste durch die Autobahn gestört werden.

Die Stadt Kassel habe anders als das Land Hessen mit dem Verlag keine Verträge, heißt es bei der Pressestelle der Stadt. Das gelte auch für Kassel Marketing. Im Rathaus ist man sich aber sicher: Es wird eine gute Werbung für Kassel werden. Bezahlt hat man übrigens auch etwas - Stadt und Kassel Marketing sind mit zwei Anzeigen im Heft vertreten.

Zahlt die documenta für das Kassel-Heft? Schließlich erscheint es wenige Tage vor der Eröffnung der Kunstausstellung, und die documenta wird auch Thema sein. Doch documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld winkt ab: „Für so etwas haben wir gar kein Geld.“

Wütender Minister

Das Land zahlte hingegen fürs Hessen-Heft - und Verkehrsminister Dieter Posch, Förderer der A 44, war sauer. Rein rechtlich war gegen den Artikel aber nichts zu machen. Im Vertrag ließ sich der Verlag redaktionelle Unabhängigkeit zusichern. Posch richtete dennoch einen Brief („journalistische Maßstäbe missachtet“) an Merian-Chefredakteur Hallaschka. Der kommt aus Kassel und sagt zum Heft über seine Heimatstadt: „Wir wollen den Lesern in ganz Deutschland vor allem sagen und zeigen, was schön und attraktiv ist an der Stadt.“ Es gebe keinen Aufreger, der überregional interessiere. Natürlich werde es auch ein wenig Spott über Kassel geben. Als Beispiel nennt Hallaschka den Abriss der Treppe auf dem Königsplatz. Das für die Region aktuell bedeutende Thema Flughafen Calden findet keinen Platz.

Die Aufregung um das Hessen-Heft kann Hallaschka nicht verstehen. Ministerpräsident Volker Bouffier habe sich sogar für das Heft bedankt. Die Hessen-Agentur habe das Heft gesponsert, weil sie noch Haushaltsmittel frei hatte. Ansonsten hätte man das Heft wohl nicht gemacht: „Ein Hessen-Heft lohnt sich wirtschaftlich nicht.“

Von Frank Thonicke

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