M-Einser luden zur Prunk- und Galasitzung

Viel Helau und eine Träne

Wirbelte über die Bühne: Die Ehrengarde der M-Einser beim Hexentanz. Fotos: Koch

Kassel. Auf der Prunk- und Galasitzung der Karnevalsgesellschaft M-Einser im Philipp-Scheidemann-Haus zeigten sich alle gut gelaunt. Bis auf einen, der hatte Tränen in den Augen. Weißer Anzug, große Narrenkappe, und ein Revers voller Orden: Thomas Kraft, der ehemalige Präsident der M-Einser, bekam den Titel des Ehrenpräsidenten und den Verdienstorden in Gold des Verbandes Deutscher Karneval verliehen.

Seit 41 Jahren ist der Kasseler Mitglied bei den M-Einsern, davon 20 Jahre als Präsident. Seine Auftritte als Marie mit kurzem Rock und langen Beinen „brachten den Neid so mancher Frauen mit sich“, sagte sein Nachfolger Jürgen Träbing augenzwinkernd. Er nahm zum ersten Mal Platz auf dem blauen Thron inmitten des Elferrates und verfolgte von da aus Gardetänze, Mariechen und Funken. Träbing überreichte seinem Vorgänger auch eine große, weiße Eule mit goldenem Rand – das Zeichen der M-Einser.

„Was im Rheinland sind die Mainzer, sind in Kassel die M-Einser.“ Und tatsächlich, die Zuschauer, unter ihnen auch Oberbürgermeister Bertram Hilgen und sein Herausforderer Ernst Wegener, verteilten Applaus, Raketen und Ovationen im Stehen. Kaum jemand, den es noch auf dem Stuhl hielt, als die Funkengarde der M-Einser und des Vereins der Rheinländer über das Parkett fegte. Das gleiche Bild bei den Tänzern des KG TSC Herkules. Auf Wunsch des Publikums gab das Tanzpaar der „Pääreschwänze“ noch eine Zugabe und bekam für so viel Anstrengung ein dreifach donnerndes Alaaf und Helau.

Die Büttenredner holten mit scharfer Zunge und gewitzten Pointen zu einem Rundumschlag aus. Da erinnert sich Barbara Ankelmann auf nördlichstem Nordhessisch an die „gute ahle Zit“, als es in Kassel noch nicht so viele Baustellen gab, der Speckkuchen noch auf der Faust gegessen wurde und die Sprache statt Kuddelmuddel schönes Geschnuddel war. Auch Karl-Theodor zu Guttenberg blieb nicht verschont. Ob wohl sein „von und zu“ auch geklaut sei, fragte sie sich.

Vor dem Urgestein in der Bütt, Willi Emde, zog so mancher seinen Narrenhut. Der 83-Jährige hatte es mit Riesenfliege und brauner Perücke in seiner Rede mal wieder auf seine Frau Hilde abgesehen. Thomas Kraft sprach als „Schluckspecht“ über den Durst und stellte entsetzt fest: „Wo früher meine Leber war, ist heute eine Minibar.“ Als Sänger der „drei Dicken“ brachte er den Saal dann zum Überkochen. Seine Eule wird er im Freisitz in seinem Garten aufhängen, er nennt ihn „Klebearsch“, weil dort schon viele Jecken so manche Nacht kleben geblieben sind. (pmn)

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