148 Abschnitte auf Hauptstraßen sind besonders belastet

Untersuchungen zu Lärm in Kassel: Hauptquelle ist Straßenverkehr

Kassel. Viele Menschen in Kassel leiden unter Verkehrslärm. Das Land Hessen hat auf Grundlage einer EU-Richtlinie Lärmkartierungen erstellt. Von den Regierungspräsidien wurden anschließend Lärmaktionspläne erarbeitet.

Die Stadt Kassel hat darüber hinaus eigene Untersuchungen angestellt. Über deren Ergebnisse sprachen wir mit dem Abteilungsleiter Umweltschutz Dr. Jürgen Drewitz.

Zu welchen Ergebnissen kommt die Stadt?

Dr. Jürgen Drewitz: Die Hauptlärmquelle in Kassel ist der Straßenverkehr. Wir haben festgestellt, dass in der Stadt Kassel insgesamt 148 Abschnitte auf Hauptstraßen mit einer Gesamtlänge von 15,3 Kilometern einem hohen Lärmpegel ausgesetzt sind. Es wurden dabei Hauptstraßen betrachtet mit einem täglichen Aufkommen von mindestens 16.400 Fahrzeugen, wie es die EU-Richtlinie vorsieht. Die Autobahnen wurden bei den städtischen Untersuchungen nicht vorrangig behandelt, weil sie in der Baulast des Bundes liegen.

Welche Straßen sind das?

Drewitz: Solche Abschnitte finden sich auf allen Hauptverkehrstraßen - beispielsweise der Frankfurter, der Holländischen und der Leipziger Straße.

Es gibt eine Reihe Möglichkeiten, für mehr Lärmschutz zu sorgen. Welche hat die Stadt in erster Linie im Auge?

Drewitz: Am wichtigsten für den Lärmschutz ist ein guter Straßenbelag, denn das Rollgeräusch des Verkehrs wird durch Pflaster oder Schlaglöcher deutlich erhöht. Als Standardbelag verwendet die Stadt Asphaltbeton, der auch lange haltbar ist. Mit dem Einbau von Flüster-Asphalten müssen erst noch Erfahrungen gesammelt werden.

Die Planung für die nächste Zeit kombiniert Lärmschutz mit auch aus anderen Gründen notwendigem Umbau und Erneuerung von Straßen. Lärmschutzwände und Ähnliches kommen im eng bebauten innerstädtischen Bereich in aller Regel nicht in Betracht. Speziell für Lärmschutz stehen leider keinerlei Fördermittel zur Verfügung, sodass der Finanzrahmen sehr eng ist.

Wie sieht es bei Lärmschutzfenstern aus?

Drewitz: Auch das kostet viel Geld. Für ein größer angelegtes Förderprogramm würde die Stadt geschätzt 2,5 Mio. Euro bereit stellen müssen. Ein solcher Betrag steht nicht zur Verfügung. Wir versuchen derzeit, andere Geldquellen zu erschließen.

Die Stadt hat bei den geplanten Maßnahmen an städtischen Straßen Prioritäten gesetzt. Welche sind das und welche waren die Kriterien?

Drewitz: Maßgebliche Kriterien waren hohe Werte aus der Lärmkartierung, eine große Anzahl betroffener Anwohner und ein schlechter Straßenzustand. Der Bereich Breitscheidstraße/Gilsastraße ist bereits im Bau, da wird Pflaster durch Asphalt ersetzt. Ähnliches ist vorgesehen in der Kurt-Schumacher-Straße beim Umbau der Altmarktkreuzung. Auch bei den Planungen zur Friedrich-Ebert-Straße und Goethestraße spielen Aspekte des Lärmschutzes eine Rolle. Für 2011 ist unter anderem in der Wilhelmshöher Allee zwischen Kirchweg und Bahnhof eine abschnittsweise Sanierung der Fahrbahndecke vorgesehen.

Ist das, was die Stadt gegen Lärm tut, nicht zu wenig?

Drewitz: Lärm ist ein Thema, das erst seit vergleichsweise wenigen Jahren in den Blick gerückt ist. Wir befinden uns, auch im europäischen Rahmen, am Beginn einer längeren Entwicklung. Wichtig ist, dass Lärmschutz bei allen Vorhaben und Planungen der Stadt verstärkt berücksichtigt wird. Bauliche Maßnahmen, die sehr viel Geld kosten, werden aufgrund der desolaten Finanzlage der Stadt nur nach und nach in Angriff genommen werden können.

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