Gemeinsame Initiative

Viel Müll in Kassels Parks: MHK-Wirte setzen auf Pfandsystem für To-go-Getränke

Dieser Becher wird nicht weggeworfen: Auch im Café Siebenbergen am Rand der Karlsaue bekommt man bei Servicekraft Emma Pfannstiel für einen Euro Pfand ein umweltfreundliches To-go-Gefäß für Getränke zum Mitnehmen.
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Dieser Becher wird nicht weggeworfen: Auch im Café Siebenbergen am Rand der Karlsaue bekommt man bei Servicekraft Emma Pfannstiel für einen Euro Pfand ein umweltfreundliches To-go-Gefäß für Getränke zum Mitnehmen.

In Kassels staatlichen Parkanlagen wird immer mehr Essens-und Getränkemüll hinterlassen. Mit einem Pfandbehälter-System wollen die dort ansässigen Gastronomen gegensteuern.

Kassel – Nicht nur in der Innenstadt hat die Lockdownzeit zu überquellenden Müllgefäßen geführt, weil sich viele Menschen angewöhnt haben, unterwegs zu essen und zu trinken. Auch in Kassels staatlichen Parkanlagen landeten zuletzt deutlich mehr Essensverpackungen und Getränkebehälter in den Papierkörben – und oft auch in der umliegenden Natur, berichtet Pressesprecherin Lena Pralle von der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK).

In den Bergpark und in die Karlsaue würden teilweise sogar Lieferdienst-Speisen geordert, wie das Reinigungspersonal an zurückgelassenen Verpackungen sehe.

Getränke to go statt Café-Einkehr beim Spaziergang –das war viele Monate auch für die Vertragsgastronomien der MHK rund um die Parks die einzige Bewirtungsmöglichkeit. Mit einer gemeinsamen Initiative wollen diese Wirte nun gegen die Pappbecherflut vorgehen und ein Zeichen für mehr Umweltbewusstsein setzen: Alle Betriebe haben auf das Mehrweg-Pfandbechersystem Recup umgestellt und verkaufen Kaffee, weitere Heiß- und Kaltgetränke, Frozen Yoghurt und ähnliches zum Mitnehmen in den Recup-Behältern, die bis zu 1000 Mal wiederverwendbar sind.

Johannes Reinhold, Betreiber des Cafés Siebenbergen, hatte dazu den Anstoß gegeben. Montags beim Joggen durch die Karlsaue fand er es nicht mehr hinnehmbar, was sich im Lauf eines Wochenendes dort alles rund um die Mülleimer ansammelt. Seine Mehrweg-Initiative, das sei ihm klar gewesen, „kann nur Erfolg haben, wenn alle Kollegen mitziehen“.

Die ließen sich überzeugen und führten das Recup-System zeitgleich in allen ihren MHK-Lokalen ein. Dazu gehören außerdem die Orangerie, die Herkules-Terrassen, die Alte Wache, die Kaskadenwirtschaft, das Café Jérôme im Schloss Wilhelmshöhe und der Bergpark-Kiosk am nahen Parkplatzgelände.

Diese Einheitlichkeit biete Parkgästen „einen großen Mehrwert“, freut sich MHK-Direktor Martin Eberle. Wer nun irgendwo ein Getränk im Recup-Becher mitnehmen will, zahlt einen Euro Pfand und erhält diesen zurück, wenn er auf dem Spazierweg den Behälter bei einer anderen MHK-Gastronomie zurückgibt – oder auch an vielen weiteren Recup-Annahmestellen. Dort können die schadstofffreien, recycelbaren und geschmacksneutralen Becher für den nächsten Einsatz in einer Gastro-Spülmaschine gereinigt werden.

Im Café Siebenbergen greife etwa jeder sechste Kunde zum Mehrwegbecher to go, berichtet Johannes Reinhold: „Die Leute akzeptieren das auch und sehen den Sinn.“ Reinhold hat in seinem Café außerdem nachhaltige Pfand-Speisenbehälter des verwandten Systems Rebowl im Einsatz. Damit kann man auch Tellergerichte und andere Imbisse für ein Picknick in der Park-Natur mitnehmen, ohne dass anschließend womöglich eine Pizzaschachtel in der Landschaft landet. (Axel Schwarz)

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