Kontrolleure: In kleinen Läden mit relativ teurer Ware kommt es eher zu Abwiegefehlern als im Supermarkt

Viel Papier zu Gourmet-Preisen

Pappschachteln dürfen nicht mitgewogen werden: Bei der landesweiten Kontrollaktion überprüft ein Mitarbeiter der Eichdirektion Hessen in einem Darmstädter Geschäft, ob für die Erdbeeren wie vorgeschrieben nur der Nettopreis berechnet wird. Foto: dpa

Kassel. Darf’s ein bisschen mehr sein? Viele Lebensmittelhändler und Metzgereien legen diesen Spruch eigenwillig aus und berechnen ihren Kunden die Verpackung mit. „Der Kunde zahlt für etwas, das er nicht will“, sagt Klaus Pankow, Sprecher der Hessischen Eichdirektion, die bei einer Kontrollaktion auch im Raum Kassel immer wieder Verstöße festgestellt hat.

Dabei stellte sich heraus, dass kleine, handwerklich arbeitende Betriebe häufiger Anlass zu Beanstandungen gaben als etwa Supermärkte. Dort werde möglicherweise das Personal konsequenter geschult und das Qualitätsmanagement sei tendenziell besser, vermutet Pankow. Gerade bei den kleinen Läden und Marktständen aber gingen häufig die teure Edelsalami und der französische Rohmilchkäse über den Tresen – zu entsprechend hohen Kilopreisen, die dann nicht selten auch fürs Einwickelpapier berechnet würden.

Relativ stark würden Verbraucher auch übervorteilt, wenn Früchte und Salate samt dem Gewicht ihrer Papp- oder Plastikschalen berechnet würden. „Diese wiegen bis zu 30 Gramm“, sagt Pankow. Die Eichdirektion empfehle, im Zweifel nachzufragen und sich den Wiegevorgang erläutern zu lassen, falls dieser nicht nachvollziehbar sei.

Allerdings ist es bei den modernen Waagen im Handel nicht immer einfach, überhaupt ein Verdachtsmoment zu haben. Wie Obermeister Dirk Nutschan von der Fleischerinnung Kassel auf Anfrage erläuterte, sind verschiedene Systeme in Gebrauch, um das Verpackungsgewicht herauszurechnen: • Viele Waagen haben eine Tara-Taste. Nachdem das Verpackungsmaterial aufgelegt wurde, wird sie gedrückt, um die Gewichtsanzeige wieder auf null zu stellen, damit die Ware netto gewogen wird. Dies kann der Kunde auch nachvollziehbar verfolgen. • Dann gibt es Waagen mit besonderen Tasten, die das Gewicht bestimmter Standard-Verpackungsmittel subtrahieren – zum Beispiel 2 oder 6 Gramm. Laut Klaus Pankow von der Eichdirektion kommt es allerdings regelmäßig vor, dass die falsche Taste gedruckt wird. Beispiel: Der Becher vom Fleischsalat wiegt 6 Gramm, es werden aber nur 2 Gramm abgezogen. • Bei wieder anderen Waagen muss das Personal je nach Ware eine Nummer eintippen – zum Beispiel 123 für Salami. Damit werden einprogrammierte Preis- und Gewichtsdaten eingestellt, die schon berücksichtigen, dass das Salamipapier immer gleich viel wiegt.

Da hilft letztlich nur ein Blick auf den Kassenbon, ob dieser eine plausible Tara-Angabe enthält. Ob ein nennenswerter Teil der Kunden genau hinschaut oder gar nachrechnet, ist fraglich.

Die heutigen Computerwaagen stellen andererseits aber viele Fehlerquellen früherer Zeiten ab, sagt Obermeister Nutschan: Als es noch Zeigerwaagen gab, sei vieles mit dem Kopf ausgerechnet worden. „Und viele Kollegen waren der Meinung: Das Papier muss ich schließlich auch bezahlen.“

Von Axel Schwarz

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