JVA-Leiter: Anstalt erfüllt bereits Bestimmungen des neuen Vollzugsgesetzes

Justizvollzugsanstalt Kassel I - Viel Platz für Einzelzellen

+
Jeder Inhaftierte hat jetzt Anspruch auf eine Einzelzelle: In der Justizvollzugsanstalt Kassel I, in der auch die Untersuchungshaft seit einem Jahr untergebracht ist, ist dafür ausreichend Platz vorhanden.

Kassel. Als der Hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) vor einem Jahr verkündete, das Kasseler Untersuchungsgefängnis Elwe in der Unterneustadt aus Kostengründen zu schließen, da hagelte es Kritik:

Von den Oppositionsparteien SPD und Grüne sowie dem Anstaltsbeirat. Es wurde unter anderem befürchtet, dass die 60 Bediensteten der JVA gegen ihren Willen nach Mittel- oder Südhessen versetzt werden.

Das sei nicht eingetreten, sagt Jörg-Uwe Meister, Leiter der Justizvollzugsanstalt Kassel I. In das Wehlheider Gefängnis an der Theodor-Fliedner-Straße wurde die Untersuchungshaft (U-Haft) integriert. Alle Bediensteten der Elwe seien mittlerweile in Kassel beziehungsweise in den Außenstellen in Baunatal und Kaufungen beschäftigt. Zwölf Kollegen seien auf eigenen Wunsch in die JVA nach Schwalmstadt versetzt worden. Bis zum heutigen Tag habe es deshalb keine einzige Beschwerde gegeben.

Jörg-Uwe Meister

Probleme gebe es auch nicht mit der Unterbringung der Untersuchungshäftlinge. „Am 18. Dezember 2009 sind die letzten Gefangenen aus der Elwe zu uns gekommen“, sagt Meister. In einem separaten Flügel des Gefängnisses seien derzeit 74 U-Häftlinge untergebracht. Ein U-Häftling gilt als unschuldig, solange er nicht rechtskräftig verurteilt ist. Um diese Unschuldsvermutung darzustellen, ist eine getrennte Unterbringung von den verurteilten Straftätern vorgesehen. Kontakte zu den Verurteilten gebe es nur während der Arbeit, beim Sport oder Gottesdienst.

415 Häftlinge

Die Anstalt sei auch groß genug, um den Bedürfnissen der 415 mit Freiheitsstrafen verurteilten Insassen gerecht zu werden, sagt Meister. Jeder Strafgefangene in Hessen hat seit Anfang dieses Monats Anspruch auf eine Einzelzelle. Grund dafür ist das neue Hessische Strafvollzugsgesetz, das am 1. November in Kraft getreten ist (siehe Hintergrund). Danach ist es auch unzulässig, mehr als drei Inhaftierte in einer Zelle unterzubringen.

In der Kasseler Anstalt teilten sich seit mehr als einem Jahr ohnehin nicht mehr als zwei Männer eine Zelle, sagt Meister. 374 Einzelhafträume und 68 Gemeinschaftshafträume stünden zur Verfügung. Nach Erfahrung der Anstaltsleitung äußerten 20 Prozent der Männer den Wunsch, mit einem Mitgefangenen untergebracht zu werden.

Weitere Neuerung: Lebensmittel und Tabak dürfen nicht in die Pakete für die Inhaftierten gepackt werden. Grund: In der Vergangenheit seien in Würsten versteckte Handys, Drogen, Chipkarten und Waffen in die Anstalten geschmuggelt worden, sagt Meister. Im Gegenzug dürfen sich die Inhaftierten zusätzlich Geld für Einkäufe im knastinternen Laden überweisen lassen. Zudem ist eine Entlassungsvorbereitung gesetzlich vorgeschrieben.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.