Frühere Drogenbeauftragte: "Cannabis ist nicht harmlos" 

Viel Rauch um Haschisch bei FDP: Dyckmans gegen Legalisiergung

Liberale setzen sich jetzt für’s Kiffen ein: Die Bundes-FDP hatte auf ihrem Parteitag die Legalisierung von Cannabis gefordert. Foto: dpa

Kassel. Dass die FDP nun die Partei für all jene sein soll, die gern mal einen Joint rauchen, daran müssen sich die Kasseler Liberalen noch gewöhnen.

Die von ihrer Bundespartei jetzt beschlossene Forderung nach einer Legalisierung von Cannabis hat bei den Vertretern der Kasseler FDP für Verwunderung und auch Ablehnung gesorgt. Mechthild Dyckmans, die frühere Drogenbeauftragte der Bundesregierung (2009-2014) und Ehrenvorsitzende der Kasseler FDP, lehnt diese Pläne ab. Sie sieht darin eine große Gefahr.

„Ich halte überhaupt nichts von dem Beschluss. Cannabis ist keine harmlose Droge. Wir haben schon jetzt Probleme, den Jugendschutz bei Zigaretten und Alkohol zu gewährleisten“, sagt Dyckmans.

Mechthild Dyckmans

Wenn lizensierten Geschäften der Handel mit der Droge erlaubt werde – wie es die FDP auf Bundesebene fordert – falle eine Schranke, die bisher den Zugang erschwere. An die Austrocknung des Schwarzmarktes, die sich ihre Partei von einer Legalisierung verspricht, glaubt Dyckmans nicht. Es werde immer Menschen geben, die auf dem Schwarzmarkt kaufen. „Das wichtigste ist die Aufklärung vor den Gefahren der Drogen“, sagt die Kasselerin.

Frank Oberbrunner

Frank Oberbrunner, Vorsitzender der Kasseler FDP-Fraktion, war auch überrascht, als seine Partei die Freigabe forderte. „Es ist eine sehr innovative und liberale Entscheidung. Sie soll zeigen, dass wir mit der Zeit gehen“, sagte der 70-Jährige. Er könne sich auch vorstellen, sich mit dieser Forderung zu identifizieren. In der Partei sei Geschlossenheit erforderlich. Mit dem medizinischen Einsatz von Cannabis zur Schmerzlinderung habe er überhaupt keine Probleme, sagte Oberbrunner. Er selbst habe nie mit Drogen experimentiert. „Während meiner Studienzeit waren mir Literatur und Sport wichtiger. Und ab und zu gab es auch ein Bier – aber ich wusste immer, wie viel ich trinken kann, bevor ich zu singen anfange.“

Oberbrunners Fraktionskollege Heinz Gunter Drubel (72) ist hingegen skeptischer als sein Fraktionschef: „Möglicherweise ist Cannabis der Einstieg für härtere Drogen. Aber ich habe es nie probiert, kann es also nicht beurteilen“, sagt er. Er sei aber offen für eine Debatte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.