Elisabeth-Krankenhaus

Viel Übung hilft im Notfall: Ärzte und Pfleger proben den Ernstfall

Kassel. Schwerverletzte Patienten müssen zügig versorgt werden - sowohl vom Rettungsdienst als auch von den Ärzten im Krankenhaus. Um diese Abläufe zu verbessern, haben Mitarbeiter des Elisabeth-Krankenhauses an einer Trainingspuppe den Ernstfall simuliert.

Seinen schweren Sturz aus sechs Metern Höhe hätte der Patient, ein 35-jähriger Mann, überlebt. Rettungsdienst, Ärzte und Pflegekräfte haben Hand in Hand gearbeitet und seine schweren Verletzungen zügig versorgt. Nur 35 Minuten nach Ankunft in der Notaufnahme war jeder Zentimeter seines Körpers durchleuchtet und der Weg in den OP vorbereitet.

Bei dem Patienten handelte es sich in diesem Fall zwar nur um eine Puppe, doch die hatte es in sich. Sie steckte voller Technik, konnte reden, atmen und sogar einen Herzschlag simulieren. Mit ihrer Hilfe haben Mitarbeiter des Kasseler Elisabeth Krankenhauses die Versorgung eines Schwerverletzten geprobt. Das Szenario wurde in Kooperation mit Ausbildern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) entwickelt, die das Training aus einem Nebenraum koordinierten.

„Die Versorgung lief sehr zügig und geordnet ab“, sagte Dr. Michael Kind, Chefarzt der zentralen Notaufnahme, zufrieden. „Alle Verletzungen wurden schnell erkannt.“ Erklärtes Ziel ist es, durch das Training die Abläufe bei der Patientenversorgung zu standardisieren und zu optimieren. Das gelinge nur auf einem Weg: „Üben, üben, üben.“

Was für Außenstehende nach Chaos aussah, hatte tatsächlich System. Chirurgien, Anästhesisten, Radiologen und Pflegekräfte - sie alle wussten genau, was zu tun ist. Als die Rettungsassistenten den Patienten auf der Trage in die Notaufnahme schoben, standen sie schon zur Übernahme bereit.

Die offene Oberschenkelfraktur des Mannes war deutlich zu erkennen. Doch den Ärzten ging es auch um etwas anderes. Gibt es innere Verletzungen, die Bewusstsein, Atmung und Kreislauf beeinträchtigen? Schließlich würde ein Ausfall dieser Funktionen Lebensgefahr bedeuten. Über Ultraschall und Röntgenbilder diagnostizierten sie einen Milzriss und unkontrollierte Blutungen im Bauch. Einziger Ausweg: eine Notoperation.

Als Video wurde die Versorgung in einen Schulungsraum übertragen, wo weitere Ärzte die Behandlung verfolgten. Auch vier US-Sanitäter, die derzeit zu Gast beim DRK sind, berichteten von ihre Erfahrungen bei der Patientenversorgung. Das Fazit der Außenstehenden fiel überwiegend positiv aus, nur wenige Dinge wurden bemängelt.

Es sei wichtig, die Abläufe immer wieder zu üben, um die Versorgung der Notfallpatienten stetig zu verbessern, betonte Michael Kind. Das Training solle deshalb regelmäßig wiederholt werden - zum Wohl aller künftigen Patienten, die schwer verletzt in die Notaufnahme eingeliefert werden.

Von Julia Schwekendiek

Rubriklistenbild: © Schachtschneider, Dieter

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.