Stress für Straßenbahnfahrer

Königsstraße: Viele achten nicht auf die Trams

Volle Konzentration der Straßenbahnfahrer ist gefragt: Durch den Weihnachtsmarkt und die vielen Kunden in der Innenstadt sind derzeit auch viele Fußgänger auf den Schienen der Königsstraße unterwegs. Foto:  Zgoll

Kassel. Die Frau huscht gerade noch über die Schienen. Matthias Heib betätigt die Klingel, die Fußgängerin hüpft auf den Königsplatz. Für den Straßenbahnfahrer, der am Donnerstagnachmittag mit der Linie 1 unterwegs ist, bedeutet die Vorweihnachtszeit besonderen Stress.

Die vielen Menschen in der Innenstadt erfordern die volle Aufmerksamkeit von Heib und seinen Kollegen. „Manche nehmen die Bahnen gar nicht mehr wahr. Da klingele ich lieber einmal zu viel.“

Die vergangenen Wochen seit Eröffnung des Weihnachtsmarkts sind für die Fahrer der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) äußerst anstrengend gewesen. „Je mehr Menschen in der Stadt unterwegs sind, desto mehr Stress bedeutet das für uns“, sagt Thomas Bornscheuer, Betriebsleiter für die Straßenbahnen. Auf der Königsstraße könnten die Fahrer zum Teil nur etwas schneller als Schritt fahren. Das bedeutet eine Geschwindigkeit von zwölf Kilometern pro Stunde.

Thomas Bornscheuer

Aber die Straßenbahnfahrer, die bis zu zehnmal am Tag über die Königsstraße fahren, müssen nicht nur auf die Fußgänger mit ihren vollen Taschen achten. Auch der Autoverkehr in der Vorweihnachtszeit mit vielen Menschen von außerhalb erschwere die Arbeit. Bornscheuer berichtet, dass es auch sehr anstrengend sei, über die Frankfurter Straße zu fahren. Grund: Viele Autofahrer queren einfach die Gleise, ohne auf die Bahnen zu achten. Hinzu kommt, dass die Abteile derzeit sehr voll sind. In einem Wagen sitzen und stehen bis zu 180 Menschen, sagt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad. In den neuen Bahnen gebe es deshalb Fahrerkabinen, in denen die Mitarbeiter von Lärm und Stress abgeschottet sind und sich voll konzentrieren können.

Fahrer Michael Heine, der mit einer Bahn der Linie 8 unterwegs ist, sitzt in solch einer Kabine. „Von uns wird seit der Eröffnung des Weihnachtsmarktes eine erhöhte Aufmerksamkeit gefordert.“ Er müsse auf der Königsstraße ständig auf Querläufer und Telefonierer achten, die die Bahnen ignorierten. Manche Weihnachtsmarktbesucher und Kunden seien von dem Glanz und Glitzer so berauscht, dass sie für das Alltägliche - wie die Straßenbahnen - keinen Blick mehr hätten. Es sei wesentlich stressfreier gewesen, während der documenta 13 durch die Stadt zu fahren, obwohl dort auch mehr Menschen als üblich unterwegs gewesen seien.

Er befürworte deshalb, dass man die Straßenbahnen in der Vorweihnachtszeit jeden Tag ab etwa 17 Uhr aus der Königsstraße herausnehme. „Es geht um die Erhöhung des Sicherheitsstandards“, sagt Heine. An den Samstagen und Sonntagen funktioniere die Umleitung der Bahnen ja auch und werde von den Kunden angenommen. Dann könnten die Fußgänger, die jetzt mitten auf den Schienen die Weihnachtsbeleuchtung bewundern, auch auf der Königsstraße stehen bleiben.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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