Land: „Es ist nicht möglich, die neuen Grenzwerte für Stickstoffdioxid einzuhalten“

Zu viele Autos für gute Luft

Gefahr aus dem Auspuff: Mit den Abgasen werden Schadstoffe wie Stickstoffdioxid ausgestoßen. Die EU hat Grenzwerte für Stickoxide erlassen, die an der viel befahrenen Fünffensterstraße in Kassel aber deutlich überschritten werden. Archivfoto: Herzog 

kassel. Es herrscht dicke Luft in der Stadt: Der seit Anfang 2010 gültige Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter ist seit Jahren deutlich überschritten worden. Noch gibt es eine Übergangsfrist. Doch ab 2015 müssen die von der EU vorgegebenen Grenzwerte eingehalten werden. Denn nicht nur Feinstaub, auch die Stickoxide in der Luft setzen unserer Gesundheit zu: Sie schädigen die Atemwege.

Deutliche Verbesserung

Doch trotz aller Anstrengungen wird die Stadt es nicht schaffen, die Frist einzuhalten. Mit der Fortschreibung des Luftreinhalteplans für den Ballungsraum Kassel werde zwar eine deutliche Verbesserung erreicht, sagt Thorsten Neels, Pressesprecher im Wiesbadener Umweltministerium. „Aber es wird nicht möglich sein, die Grenzwerte einzuhalten.“ Dies gelte nicht nur für Kassel, sondern für alle Ballungsräume. Es sei denn, die ab 2014 geltende, verschärfte Abgasnorm für Pkw (Euro 6) komme früher, wofür sich das Land starkmache. Ansonsten müsste das Verkehrsaufkommen auf (nicht um!) ein Viertel reduziert werden, um die Stickoxid-Grenzwerte einhalten zu können.

Auch im vergangenen Jahr wurden an der Messstation Fünffensterstraße erhöhte Stickoxidwerte von rund 50 Mikrogramm registriert. Sie stammen vor allem aus Autoabgasen. „Jetzt müssten Aktionen folgen“, fordert Prof. Lutz Katzschner, Umweltmeteorologe an der Uni Kassel. Zwar sind die Werte von 53,8 Mikrogramm 2007 auf etwa 50 Mikrogramm pro Kubikmeter gesunken. Doch vom Grenzwert 40 Mikrogramm ist man noch weit entfernt.

In der Fortschreibung des Luftreinhalteplans für den Ballungsraum Kassel ist beschrieben, wie die Konzentration von Luftschadstoffen gesenkt werden soll. Im Mai wird der Plan, der zurzeit im Umweltministerium bewertet wird, öffentlich ausgelegt. Neels spricht von klugen Vorhaben, mit deren Hilfe die Belastung deutlich sinken werde.

„Es gibt nicht die Königslösung“, sagt Stadtbaurat und Umweltdezernent Dr. Joachim Lohse (parteilos). Viele Schritte seien nötig, um das Problem in den Griff zu bekommen. Die Luftverschmutzung dürfe nicht länger isoliert betrachtet werden, sagt auch Wissenschaftler Katzschner. Die Fünffensterstraße zu sperren, wäre keine Lösung. „Der Verkehr würde nur verlagert.“ Eingreifen könne man zum Beispiel mithilfe der Verkehrsplanung, am besten in Kombination mit einer Umweltzone.

Doch die ist in weiter Ferne. Da die Grenzwerte für Feinstaub in den vergangenen Jahren nicht überschritten wurden, gebe es keine Veranlassung für eine Umweltzone, sagt Lohse. Dass in diesem Jahr bereits 17 Überschreitungen gezählt wurden - mehr als 35 im Jahr sind nicht erlaubt -, sei nicht nur ein Kasseler Problem. „Es deutet vieles darauf hin, dass das mit den meteorologischen Verhältnissen in diesem Jahr zu tun hat“, sagt der Umweltdezernent.

STICHWORT HINTERGRUND

Von Ellen Schwaab

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