Schätzungen reichen bis zu zehn Prozent – Vermietung hängt oft von Bausubstanz ab

Viele Büros stehen leer

Im Angebot: An der Friedrich-Ebert-Straße bewerben Immobilienbüros gleich an mehreren Häusern freie Büroflächen. Unser Bild zeigt das Gebäude an der Ecke Friedrich-Engels-Straße. Fotos: Fischer

Kassel. Während der Wohnraum in Kassel knapp ist, sieht die Lage bei den Büro- und Gewerbeflächen anders aus: Die Schätzungen zum Leerstand reichen von sechs bis zehn Prozent, bei den Wohnungen sind es nur 2,5 Prozent.

Deshalb will sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr dem Thema annehmen. Die CDU-Fraktion hatte beantragt, zunächst ein Leerstandskataster einzurichten, um einen exakteren Überblick über die Dimension des Leerstandes zu bekommen.

Siegfried Putz, Sprecher der nordhessischen Sektion des Immobilienverbands Deutschland (IVD), hält ein Leerstandskataster für wichtig: „Es wäre gut, wenn wir das gesamte Angebot überblicken könnten.“ Es fehle bislang an einer verlässlichen Erhebung zum Leerstand von Büros. Schätzungen reichten bis zu zehn Prozent.

Fast nie Provision fällig

Schwerer zu vermarkten seien Flächen im mittleren Preissegment. „An gut ausgestatteten Räumen in exklusiven Lagen und günstigen Flächen ist die Nachfrage größer“, sagt Putz. Die Preisskala beginne bei 4,50 Euro pro Quadratmeter und reiche bis elf Euro. Provisionen werden - im Unterschied zu Wohnungen - so gut wie nie verlangt.

Alexander Alter, Geschäftsführer von Leineweber Immobilien und Vorstandsvorsitzender des IVD Mitte, kennt unterschiedliche Analysen zum Kasseler Büro- und Gewerbeflächenangebot: Das Unternehmen Thomas Daily habe sieben Prozent Leerstand errechnet. „Den Leerstand sind wir schon gewöhnt“, sagt Alter. In den 90er-Jahren seien viele Wohnungen in Büros umgewandelt worden, nun müsse der Prozess umgekehrt werden.

Die Chancen auf eine Vermarktung hingen auch stark von Ausstattung und Zustand der Immobilien ab, sagt Alter. Wenn es etwa keine EDV-Verkabelung gebe, seien Flächen schwer zu vermieten.

Für Ulrich Spengler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), liegen die Ursachen für Leerstände oft in der Bausubstanz. „Am Markt sind viele Immobilien aus den 60er- und 70er-Jahren, die erst energetisch saniert werden müssten, sonst zahlen Mieter über die Nebenkosten eine zweite Miete“, sagt Spengler. Teilweise fehle zudem die IT-Verkabelung. Objekte in gutem Zustand würden Eigentümer auch vermieten können.

Insofern sehe die IHK im Leerstand kein besonderes Problem. Die Eigentümer müssten eben nur bereit sein, zunächst zu investieren.

Das Marktforschungsunternehmen BulwienGesa hatte Kassels Büroflächen bei seiner Erhebung vor einem Jahr auf eine Million Quadratmeter geschätzt. Das Münchner Unternehmen sprach von einer hohen Leerstandsquote für eine Stadt in Kassels Größe. Mit dem Umzug des Baudezernates in das Salzmann-Gebäude würden weitere 16 000 Quadratmeter Büroflächen frei, die bislang in der Innenstadt angemietet sind.

Von Bastian Ludwig

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