Landgericht verurteilte drei Serientäter zu Jugendstrafen zwischen zwei und vier Jahren

Viele Delikte und viel Gewalt

Kassel. Drei junge Männer im Alter zwischen 16 und 19 Jahren hatten so viele Straftaten begangen, dass die Staatsanwaltschaft 15 Anklageschriften verfasst hatte. Raub, Körperverletzung, Diebstähle waren nur einige der Vorwürfe. Immerhin gestanden sie die Taten weitgehend ein, so blieb die Beweisaufnahme trotz der vielen Punkte im Rahmen. Gestern verurteilte die 10. Strafkammer des Landgerichts das Trio zu Jugendstrafen zwischen zwei und vier Jahren.

Im März waren sie mit Messer, Schlagring und Pfefferspray bewaffnet in eine Kasseler Wohnung gestürmt, weil sie dort Marihuana vermuteten. Sie erhofften sich, dass sie – wie zuvor bei vielen ihrer Taten – ungestraft davonkommen würden, da der Dealer wohl aus eigenem Interesse schweigen würde. Drogen fand das Trio nicht, doch ohne Beute wollten die Eindringlinge nicht abrücken. Während die jungen Männer Geld, Handys und einen Flachbildschirm zusammenpackten, mussten sich die drei Erwachsenen, die sich zu dem Zeitpunkt in der Wohnung befanden, auf den Boden legen und Tritte oder Schläge über sich ergehen lassen. Es war die vorerst letzte Tat der Gruppe, denn danach wurde sie festgenommen.

In mehreren Fällen bestahlen der 16-Jährige und der 18-Jährige Taxifahrer, indem der Ältere die Fahrer ablenkte und der andere ihnen ihr Geld abnahm. Bei einem Juwelier ließen die beiden wertvolle Fingerringe mitgehen. Immer wieder spielte ein erhebliches Maß an Gewalt eine Rolle. Der 18-Jährige zwang einen Mann mit Schlägen und Tritten, an Bankautomaten Geld abzuheben. Einem anderen Mann schlug er nach einer Auseinandersetzung in einer Kneipe eine Schnapsflasche derart heftig auf den Kopf, dass sie dessen Wange zerschnitt und er auf Dauer gezeichnet sein wird.

Mit der geringsten Strafe von zwei Jahren auf Bewährung kam am Montag der 19-Jährige davon. Ihm attestierte der Vorsitzende Richter, er habe Reue gezeigt und sogar Taten gestanden, bei denen er gar nicht als Beteiligter vermutet worden war. Er muss sich nicht nur einem Anti-Aggressionstraining unterziehen, sondern auch „Schwitzen statt Sitzen“: Von Sozialpädagogen betreut, arbeitet er bei dem gemeinnützigen Bildungsträger „Buntstift“, um seine Neigungen für eine Berufsausbildung herauszufinden.

Jeweils vier Jahre kassierten der 16-Jährige und der 18-Jährige. Der Vorsitzende Richter begründete diese Entscheidung unter anderem mit den erheblichen Vorstrafen von jeweils zehn und zwanzig Monaten, zudem habe er den Eindruck, dass die Untersuchungshaft „keine nennenswerte erzieherische Wirkung“ gezeigt habe.

Ihr Auftreten während des Prozesses sei „reichlich undiszipliniert“ gewesen. So hatte zum Beispiel der 16-Jährige die ausgeraubten Taxifahrer als „nicht die Schlausten“ verhöhnt. (pas)

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