Polizei fahndet mit Phantombild nach falschem Rechtsanwalt

300.000-Euro-Abzocke: Viele fielen auf eleganten Betrüger rein

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Angeblicher Rechtsanwalt Buechner: Die Polizei fahndet mit diesem Phantombild nach dem Tatverdächtigen.

Kassel. Fünf Jahre lang wähnte sich der Mann aus der Schwalm offenbar als zukünftiger Millionär.

So lange dauerte es, bis er Zweifel an dem Erbschaftsversprechen bekam und bei der Polizei Anzeige erstattete. Da hatte der 71-Jährige bereits 300.000 Euro verloren. Betrüger hatten ihn mit der Aussicht auf ein angebliches Millionenerbe um das Geld erleichtert.

Im Jahr 2009 hatte das Opfer den ersten Anruf erhalten. Ihm wurde mitgeteilt, dass er 15 Millionen Euro geerbt habe. Es handele sich um den Erlös aus dem Verkauf eines Großbetriebs in Benin, der einem Verwandten aus einer früheren Generation gehörte, wurde dem verblüfften Nordhessen erklärt. Das Geld sei angelegt worden und stehe zur Auszahlung bereit.

Um das Erbschaftsversprechen glaubwürdig zu machen, schickte die Bande einen angeblichen Rechtsanwalt ins Feld, der sich Herr Buechner nannte. Dreimal traf das Opfer den angeblichen Rechtsanwalt in Frankfurt und Hofheim. In der Folgezeit wandten sich die Täter per E-Mail an ihr nordhessisches Opfer und verlangten Zahlungen zur Freigabe und Überweisung des Erbes, berichtet Polizeisprecher Torsten Werner. Der Senior beglich bis zum Oktober 2014 angebliche Transaktions- und Bereitstellungsgebühren, Rechtsanwaltskosten sowie Steuerzahlungen - insgesamt mehr als 300.000 Euro.

Das Geld lieh sich der 71-Jährige zum Teil bei Freunden, die die Geschichte der millionenschweren Erbschaft offenbar ebenfalls glaubten. Im vergangenen Herbst wandte sich der Rentner schließlich an die Kasseler Kripo. Diese hat inzwischen eine Öffentlichkeitsfahndung nach dem angeblichen Rechtsanwalt erwirkt. Mit Hilfe des Opfers wurde ein Phantombild angefertigt. Der gesuchte Verdächtige soll nach seinen Schilderungen dem Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sehr ähnlich sehen.

Bei der Ermittlungen stellten die Beamten fest, dass der 71-Jährige offenbar nicht das einzige Opfer der Bande aus Benin ist. Knapp dreißig Geldtransaktionen in einer Gesamthöhe von mehreren hunderttausend Euro wurden allein 2013 von Absendern aus dem Raum Kassel ins afrikanische Benin festgestellt. Dabei handele es sich wahrschneinlich nur um die Spitze des Eisbergs, sagte Polizeisprecher Werner.

Täterbeschreibung: Der angebliche Rechtsanwalt soll etwa 50 Jahre alt und 1,80 Meter groß sein, weiße Haare, stämmige Figur, Brillenträger. Er sprach dialektfrei Deutsch und ist vermutlich deutscher Herkunft. Bei den Treffen trug er jeweils einen Anzug.

Hinweise an die Polizei: Tel. 0561/9100

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