Kasseler Experten informieren

Neue Abfallsatzung ab 2013: Viele Fragen um die Biotonne

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Expertenrat war gefragt: Gerhard Halm, Jürgen Kaiser und Stefan Stremme informierten am HNA-Lesertelefon.

Kassel. Rund 17.000 Eigentümern von Ein- und Zweifamilienhäusern flattern in diesen Tagen Informationen und Fragebögen zur neuen Abfallsatzung ab 1. Januar 2013 für Kassel ins Haus. Dass viele Leser dazu noch Fragen haben, zeigte die HNA-Telefonaktion am Montag.

So waren Bürgermeister und Abfalldezernent Jürgen Kaiser (SPD), der Betriebsleiter der Stadtreiniger, Gerhard Halm, und der Abteilungsleiter Abfallwirtschaft der Stadtreiniger, Stefan Stremme, am Expertentelefon sehr gefragt.

Bei den Selbstveranlagungsbogen muss ich die Wohneinheiten angeben, was versteht man darunter?

Antwort: Eine Nutzungseinheit zu Wohnzwecken ist eine abgeschlossene Wohneinheit mit Küche oder Kochzeile. Bei Gemeinschaftswohneinheiten institutioneller Träger wie einem Studentenwohnheim gelten vier angefangene Wohnheimplätze als eine Wohneinheit.

Wir haben ein Haus mit eigentlich zwei Wohneinheiten, nutzen aber die Dachgeschosswohnung nicht. Müssen wir trotzdem zweimal die Grundgebühr von 62,76 Euro zahlen?

Antwort: Sie können auf dem Fragebogen zur Selbstveranlagung zwei Wohneinheiten eintragen. Fügen Sie eine Notiz hinzu, dass Sie die zweite Wohnung nicht nutzen. Wird die Wohnung seit mindestens sechs Monaten nicht genutzt, wird dafür keine Grundgebühr erhoben. Würde die Wohnung indes wieder vermietet, müssten Sie die Stadtreiniger darüber informieren.

Ich wohne allein auf meinem Grundstück und möchte einen Abschlag auf die Leistungsgebühr haben. Was muss ich dazu tun?

Antwort: Fügen Sie dem Selbstveranlagungsbogen auf einem Extrablatt ein formloses Schreiben bei, in dem Sie einen 15-prozentigen Abschlag auf die Leistungsgebühr beantragen. Schreiben Sie bitte Ihr Kassenzeichen (oben rechts auf dem Selbstveranlagungsbogen), Ihre Adresse und die Telefonnummer dazu. (Dieser Tipp gilt auch bei anderen Wünschen, zum Beispiel nach einer Nachbarschaftstonne).

Wir haben eine 80-Liter-Restmülltonne und eine 240-Liter-Biotonne. Kann das so bleiben?

Antwort: Grundsätzlich ja, allerdings ist die Biotonne künftig nur bis zum 1,5-fachen Volumen der Restmülltonne kostenlos. In Ihrem Fall wären das 120 Liter. Falls Sie den großen Biomüll-Behälter behalten wollen, müssten Sie die Differenz bezahlen. Möchten Sie die Größe der Biotonne ändern, fügen Sie auf Seite 3 des Fragebogens eine Notiz hinzu.

Sie bieten ja die kostenlose Altpapiertonne an, fallen dann die Altpapiercontainer in unserem Wohngebiet weg?

Antwort: Nein, die Altpapierbehälter werden weiter angeboten. Allerdings gibt es Bereiche, wo sie das Stadtbild stören. Hier denken wir über Lösungen nach.

Ich teile mir eine graue Restmülltonne (80 Liter) mit meiner Nachbarin. Bisher habe ich keine Biotonne, meine Nachbarin aber schon. Könnte ich auch eine kostenlose 80-Liter-Biotonne bekommen?

Antwort: Zunächst einmal können Sie die Nachbarschaftstonne natürlich weiternutzen. Allerdings müssten Sie und auch Ihre Nachbarin jeweils die Grundgebühr entrichten, die Leistungsgebühr wird geteilt. Ihr Restmüllvolumen reicht für eine zusätzlich kostenlose Biotonne nicht aus, denn die kleinste Größe sind 80 Liter. Vielleicht können Sie sich mit Ihrer Nachbarin eine kostenlose 120-Liter-Biotonne teilen.

Ich brauche eigentlich keine Biotonne, sogar meinen Grasschnitt bekomme ich in meiner grauen 80-Liter Tonne unter.

Antwort: Das verbietet jedoch das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz für Abfall. Sie können aber zu Ihrer Restmülltonne einen Biomüllbehälter kostenlos hinzubekommen. Sie zahlen zurzeit 220,80 Euro, künftig 202,32 Euro inklusive Biotonne (80 oder 120 Liter). Wenn Sie indes selbst kompostieren wollen, sind es künftig 188,36 Euro. Periodisch mehr anfallenden Gartenabfall wie Laub und Gras können Sie ab nächstem Jahr auch kostenlos bei den Recyclinghöfen abgeben.

Ich habe eine Biotonne beantragt, bekomme ich trotzdem zehn Prozent Abschlag fürs Kompostieren?

Antwort: Nein, der Abschlag gilt nur für Eigenkompostierer, die keine Biotonne in Anspruch nehmen.

Wir haben auf unserem Grundstück zwei Wohneinheiten, nutzen bisher eine 80-Liter-Restmülltonne und kompostieren selbst. Was kommt mit der neuen Abfallsatzung auf uns zu?

Antwort: Bisher zahlen Sie 220,80 Euro. Wenn Sie es bei der Eigenkompostierung belassen, zahlen Sie künftig 251,12 Euro. Sie können aber auch eine kostenlose Biotonne nutzen, dann wären es 265,08 Euro, dafür erhalten Sie aber auch mehr Leistung.

Wenn künftig weniger organische Abfälle im Restmüll landen, kann dann das Müllheizkraftwerk überhaupt noch betrieben werden?

Antwort: Zurzeit fallen in Kassel jährlich rund 40 000 Tonnen Restmüll an. Wir rechnen damit, dass sich diese Abfallmenge durch das Getrenntsammeln um etwa zehn Prozent (also rund 4000 Tonnen) reduzieren wird. Insgesamt liefern die Stadtreiniger derzeit pro Jahr rund 90 000 Tonnen ins Müllheizkraftwerk, die 4000 Tonnen fielen also nicht so sehr ins Gewicht.

Weitere Fragen beantworten die Stadtreiniger Kassel am Service-Telefon unter 0561/50030. Unter www.stadtreiniger.de  findet man auch einen Gebührenkalkulator.

Von Martina Heise-Thonicke

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