Drei junge Kasseler angeklagt – einer gesteht

Viele Fragen um fingierte Unfälle

Kassel. Es sind recht akrobatische Übungen, die der Angeklagte beschreibt. Mit den Knien habe er das Lenkrad seines Kombi gehalten, während er sich nach hinten drehte, um seinem Hund im Kofferraum zu helfen, erklärt der 27-jährige Kasseler dem Amtsgericht. Das Tier nämlich habe sich an einem Trenngitter verfangen und laut gejault. Kurz nach dem Anfahren sei das gewesen, bei Schnee und womöglich Eis sowie leicht abschüssiger Fahrbahn. Er sei in einen parkenden Wagen gefahren.

Doch nicht abenteuerliches Fahrverhalten am Kasseler Stadtrand hat den jungen Mann vor Gericht gebracht. Sein Problem ist, dass die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft, jenen Unfall absichtlich herbeigeführt zu haben. Die Anklage lautet auf gewerbsmäßigen Betrug. Und sie betrifft nicht nur diesen einen Unfall und nicht nur den 27-Jährigen. Sondern auch den 29-jährigen Besitzer des angefahrenen Wagens und einen weiteren 25-jährigen Kasseler. Zwischen Februar 2009 und Januar 2010 sollen sie in wechselnden Kombinationen versucht haben, mit fingierten Unfällen unrechtmäßig Geld aus ihren Versicherung herauszuholen. Teilweise mit Erfolg.

Der 29-Jährige bestreitet wie der 27-Jährige, dass der winterliche Unfall abgesprochen war. Sie würden sich gar nicht weiter kennen, geben die Männer an. Die Staatsanwaltschaft bezweifelt das – und hat den Antrag gestellt, Zeugen dazu zu hören. Bis zum nächsten Verhandlungstermin in drei Wochen soll zudem ein Sachverständigengutachten her. Es soll klären, ob der 27-Jährige mit dem Knie so lenken konnte, dass es zu den Unfallspuren am geparkten Auto passt.

Zwei Versionen vorgetragen

Der dritte Angeklagte überrascht am Donnerstag mit zwei Versionen eines Geständnisses: In Version A beruht ein Unfall, bei dem er zu später Stunde am Leipziger Platz den Mercedes des 29-Jährigen angefahren haben will, auf einer Absprache. In Version B, die nach einigen Stunden Verhandlung folgt, hat der 29-Jährige von nichts gewusst. Er, der 25-Jährige, habe sich einfach irgendeinen Wagen ausgesucht und den angefahren, um einen Vollkasko-Schaden zu produzieren. Seine Versicherung zahlte etwas über 4000 Euro. Die Reparatur habe er für 1000 Euro bekommen.

Noch zu einem vierten Fall legt der 25-Jährige ein Geständnis ab: Er habe die Mutter seiner Lebensgefährtin überredet, seinen Wagen anzufahren. Wie bestellt sei das passiert, als er mit dem 27-Jährigen in dessen Garten saß. Eingeweiht sei der Bekannte nicht gewesen – und entsprechend sprachlos über den Unfall.

Von Katja Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.