Wohnungslosigkeit steigt – 200 leben auf der Straße

Viele Frauen sind in Kassel ohne Bleibe

Ein Mann geht an einem schlafenden Mann vorbei
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Die Zahl der Obdach- und Wohnungslosen steigt in Kassel seit Jahren (Symbolbild).

Der angespannte Wohnungsmarkt in Kassel hat für immer mehr Menschen gravierende Folgen: Sie finden keine eigene Bleibe mehr. Die Zahl der Wohnungslosen steigt seit Jahren.

Dabei sind auch immer häufiger Frauen betroffen. So hat die Stadt Kassel im vergangenen Jahr insgesamt 859 Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht waren, vorübergehend untergebracht. Vor zehn Jahren waren es noch rund 400 Personen. Zu den Menschen, die zwar keine eigene Wohnung, aber wenigstens ein Dach über dem Kopf haben, kommen Schätzungen zufolge aktuell rund 200 Menschen, die auf der Straße leben.

Dabei ist der Anteil der Frauen zuletzt stetig gestiegen. So waren nach Angaben der Zentralen Fachstelle Wohnen des städtischen Sozialamts zuletzt knapp 28 Prozent der untergebrachten Einzelpersonen Frauen. Vor vier Jahren betrug der Anteil noch 23 Prozent.

Ende vergangenen Jahres hat die Stadt deshalb eine Notschlafstelle speziell für Frauen im Kasseler Osten eröffnet. Dort stehen 20 möblierte Zimmer zur Verfügung. Die Unterkunft werde „gut angenommen“, teilte ein Rathaussprecher mit. Aktuell seien 18 Plätze belegt.

Beim Verein Soziale Hilfe, der unter anderem die Tagesaufenthaltsstätte Panama betreibt, beobachten die Mitarbeiter, dass inzwischen etwa jeder vierte Hilfesuchende weiblich ist. Dabei sei die Dunkelziffer hoch, betont Ute Wienkamp vom Verein Soziale Hilfe. Denn gerade Frauen lebten oft in einer „verdeckten Wohnungslosigkeit“, indem sie bei Freunden oder Bekannten unterschlüpften oder in belasteten Beziehungen ausharrten.

Zudem beobachten die Berater im Panama, dass zuletzt immer mehr junge Menschen die Anlaufstelle aufsuchten. Der Anteil der Hilfesuchenden unter 35 Jahren steige seit Längerem und liege inzwischen bei fast einem Drittel.

Durch die Corona-Pandemie seien die Belastungen wohnungsloser Menschen zusätzlich gestiegen, berichtet Ute Wienkamp. So hätten viele Beratungsstellen oder Mittagstische für Bedürftige nur eingeschränkt geöffnet – auch im Panama müsse man den Zugang aufgrund der Abstandsregeln beschränken. Auch in vielen Behörden gebe es wegen Corona nur Termine nach Anmeldung. Das bedeutete für viele Betroffene ein große Hürde, denn sie hätten oftmals weder Internet noch Telefon – oder kein Guthaben für Anrufe.

Von Katja Rudolph

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