Warum es der alte und neue OB schon im ersten Wahlgang schaffte - Eine Analyse

Viele Grüne wählten Hilgen

Gesprächsrunde am Wahlabend: Neben Olaf Petersen (Piraten) , links im Bild, sind der alte und neue Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD), HNA-Redakteur Jörg Steinbach, Kai Boeddinghaus (Linke), Bernd W. Häfner (Freie Wähler), Ernst Wegener (CDU) und Andreas Jürgens (Grüne) zu sehen. Foto:  Herzog

Kassel. Jetzt sind alle Stimmen - auch die zur Stadtverordnetenversammlung - ausgezählt. Bei der Analyse der Stimmenverteilung wird deutlich, dass der alte und neue Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) in erster Linie von Grünen-Wählern über die 50-Prozent-Hürde gebracht wurde. Grün wählen und trotzdem die Stimme für den SPD-Kandidaten abgeben, das ging offenbar für fast zehn Prozent der Wähler gut zusammen.

Für Hilgen gab es keinen wirklichen Herausforderer. Das war früh klar. Doch die Menge der Mitbewerber sorgte zumindest für Spannung, ob es denn schon im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit für den Favoriten geben würde. Der stand am Wahlabend sichtbar unter großer Spannung.

Ganz knapp

Dass es mit 51,32 Prozent knapp reichen würde, hing mit der geteilten Zuneigung der Wähler zusammen. Denn während der grüne Direkt-Kandidat Dr. Andreas Jürgens auf unspektakuläre 14,95 Prozent der Stimmen kam, starteten die Grünen als Partei mit 24,93 Prozent durch. Sie steigerten sich um 9,56 Prozentpunkte. Es spricht einiges dafür, dass dieser Zuwachs weniger lokale Ursachen hat, sondern Auswirkung der Atomdebatte ist.

Das klare Bekenntnis von Bertram Hilgen zum Langen Feld als Gewerbegebiet hat ihm offenbar nicht geschadet. Er ist auch für Anhänger der Grünen wählbar. Und selbst im Stadtteil Niederzwehren - dort befindet sich das Lange Feld - gab es keine größeren Ausschläge. Hilgen kam hier auf 48,9 Prozent. In den Verhandlungen von SPD und Grünen über die von beiden Seiten gewünschte Zusammenarbeit wird das eine Rolle spielen.

Einige wenige Stimmen dürfte Hilgen auch aus dem Lager der CDU bekommen haben. Die Partei, die mit Georg Lewandowski von 1993 bis 2005 den Oberbürgermeister stellte, hat mit 24,20 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis seit den 50er-Jahren eingefahren. Sicher auch, weil mit Ernst Wegener ein in Kassel unbekannter und von vornherein chancenloser Kandidat ins Rennen geschickt wurde. Ebenso wie Bertram Hilgen hat er jede Menge Hausbesuche und bis zur Erschöpfung Wahlkampf gemacht. Das Ergebnis ist dennoch bescheiden und liegt mit 23,39 Prozent noch knapp unter dem CDU-Wert insgesamt.

Mit großem Ehrgeiz und Einsatz ist auch Kai Boeddinghaus für die Linke ins Rennen gegangen. Unter dem Strich kam der Kandidat nicht über 6,35 Prozent hinaus und blieb 0,33 Prozentpunkte unter dem Parteiergebnis. Bei Bernd W. Häfner (Freie Wähler) und Olaf Petersen (Piraten) ist die Tendenz ähnlich. Auch hier hat Hilgen noch das eine oder andere Zehntel zur knappen absoluten Mehrheit geholt.

Zünglein an der Waage könnte die zur Splitterpartei geschrumpfte FDP (2,51 Prozent) gewesen sein. Sie hat keinen OB-Kandidaten gestellt. Ein Kontrahent weniger für Wahlsieger Bertram Hilgen.

Alle Wahlergebnisse von Stadt und Landkreis Kassel finden Sie im Internet unter www.hna.de/kassel

Von Thomas Siemon

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